Teil eines Werkes 
17. bis 21. Bändchen (1852)
Entstehung
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verehren, man will, daß wir diejenigen anbeten ſollen, welche der Mann in der öͤffentlichen Meinung eitirt hat. Fällt eine von uns der Leidenſchaft anheim, in welcher Geſtalt kommt dann die Leidenſchaft zu uns? Derſelbe, der morgen unſer ſtrenger Richter iſt, war heute unſer Verführer. Die bürgerliche Verachtung, welche die Eine trifft, müßte billigerweiſe auch den Andern treffen. Uns entzieht man die Achtung, euch ſchenkt man ſie, und dennoch war das Verbrechen gemeinſchaftlich. Nicht ge⸗ nug damit, Chevalier. Laſſen Sie uns noch einen Schritt weiter gehen. Wenn tauſend Weiber, die von Verwandten und Freunden wegen eines Fehltritts zurückgeſtoßen wer⸗ den, Seelenſtärke genng beſitzen, um ſich ergebungsvoll in ihrem eigenen Kummer zurückzuziehen und darin zu verzehren, wie viele andere Tauſende, welche den Muth und die Kraft dazu nicht haben, zwingt man nicht bei⸗ nahe in ihrer Verzweiflung über ihr Unglück zu lachen, und wenn ſie die verlorene bürgerliche Achtung nicht wieder gewinnen können, für alle Zeiten blind ſich dem Verderben zu überlaſſen? Werden ſie nicht unfreiwillig durch die Ungerechtigkeit der Welt in die Bahn des Laſters hineingejagt? Wie viele ſolche Opfer klagen nicht die Geſellſchaft, klagen nicht die öffentliche Moral an, die in dieſem Fall von einem ausgetrockneten, herzloſen Mönch geſchrieben iſt, nicht aber von einem Menſchen, der für die Macht des Herzens über unſere Handlungen Gefühl hat. Ach, verzeihen Sie Ihrer Mutter, Gourville! Unſere Religion macht das Weib nicht zur Nonne, und nichts deſtoweniger werden wir durch alt hergebrachte urtheile in Zellen eingeſchloſſen, wo wir uns mit unſerm Gefühl verzehren müſſen. Ich kann klagen, aber nicht ſagen, wie es ſein ſoll. Ich kann über die Ungerechtig⸗ keit ſeufzen, aber nichts Beſſeres angeben.

Gabriele ſprach mit einer ſo warmen Liebe für ihren Gegenſtand, daß ſie alles Andere vergaß; ſie hielt