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Die Tugend trägt eine Siegerkrone auf ihrer Stirne, aber man muß ihr ehrlich dienen, um die Belohnung zu empfangen, nehmlich Ruhe und Zufriedenheit in der eig⸗ nen Bruſt. Werden Sie kühn im Guten, wie Sie es bisher im Böſen waren; wenden Sie das Blatt im Buch Ihres Schickſals um. Die neue Seite wird ein Licht über Ihre Seele verbreiten, das Sie glücklich ma⸗ chen wird. Aber Sie verdammen Ihre Mutter, Cheva⸗ lier. Thun Sie das nicht! Wer ſelbſt nicht verdammt werden will, ſoll Andere nicht verdammen. Nehmen Sie an, ſie ſei ein unglückliches ſchutzloſes Weib geweſen, das ſchwach und voll Vertrauen auf die Verſicherungen eines Mannes, nach ihrem Erwachen aus dem augenblicklichen Rauſch ſich betrogen und verlaſſen gefunden. Bedenken Sie ihre Stellung. Bedenken Sie die Schande, die von allen Seiten nicht blos ſie ſelbſt, ſondern auch ihre Verwandte und das Kind bedrohte, dem doch die zärt⸗ lichſte Liebe das Leben geſchenkt hatte. An wen kann das Weib in einer ſolchen Lage ſich wenden? An⸗ Nie⸗ mand. Wendet ſie ſich an ihren Vater, ſo wird ſein Fluch ſie treffen; wendet ſie ſich an ihre Mutter, ſo wird ſie ihr Herz dadurch zerfleiſchen; wendet ſie ſich an ihren Bruder, ſo wird er ſie verächtlich von ſich ſtoßen; wendet ſie ſich an ihre Schweſter, ſo wird ſie dieſer ein Leben voll von Thränen bereiten. Sie muß ihre Verzweiflung in ſich ſelbſt verſchließen. Will ſie ſich tödten, ſo wird ſie vielleicht durch eine Bewegung unter ihrem Herzen erinnert, daß ſie verpflichtet iſt zu leben; will ſie das Pfand ihrer Liebe tödten, ſo muß ſie zuerſt ihr eigenes Herz tödten.“
„Gabriele lehnte die Stirne in ihre Hand; ſie fühlte, daß ſie ſelbſt alle die Qualen durchgemacht hatte, die ſie jetzt berührte.
Gourville hörte ihr mit ungetheiltem Intereſſe zu. Ihre Worte ſielen wie Thautropfen unter ſeine brennen⸗ den Gedanken.


