Teil eines Werkes 
17. bis 21. Bändchen (1852)
Entstehung
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Gabriele fühlte ſich von dieſem Ernſt mächtig an⸗ geregt. Der Zorn hat nie einen plaſtiſcheren Ausdruck beſeſſen, Jetzt verſtand ſie ihn ſo gut. Der Fluch war nicht ein zufälliges Aufbrauſen, ſondern ein Gefühl, das während ſeines abenteuerlichen Lebens in ſeinem Verſtand zu einer für ſein Urtheil maßgebenden Ueberzeugung ge⸗ reift war. Der Gedanke, daß auch ſie einen Sohn be⸗ ſitze, der möglicher Weiſe in ſeiner Lage ſein könnte, feſſelte ſie aufrichtig an ihn, obſchon ſie vor ſeinem fin⸗ ſtern Blick zitterte, flog doch ihr Herz theilnehmend zu ihm, und ſie ergriff noch einmal ſeine Hand. In dieſem Augenblick hätte ſie dieſelbe ſogar an ihre Bruſt legen mögen, um ihr ſtürmiſches Wogen zu beruhigen; aber welches Recht hatte ſie dazu?

Ihr freundlicher Händedruck lief inzwiſchen wie ein wohlthätiges Feuer durch Gourvilles Adern, und er ſprang von ſeinem Platze auf.

Gabriele, ſagte er,Sie verdammen mich alſo nicht?

Die kühne und ſtolze Natur, die Gourville aus⸗ zeichnete, war kühn und ſtolz auch in dem Augenblick, wo er fühlte, daß er in Wahrheit um Schonung flehte. Es war nicht der Preis der Schönheit, nicht Liebeslohn, was er ſich wünſchte; es war die Milde, die verzei⸗ hende Güte, die verſöhnende Liebe, Gabriele hatte ſeine Leidenſchaften allmählig in ein Feld hineingeleitet, wo die friedlichen Blumen des Lebens ebenfalls einen Werth hatten. Ihre Nachſicht war ihm wichtig wie ein Sieg, den er mitten in der Hölle über einen da hinabgeſtiege⸗ nen Engel errungen. Er fühlte, daß dieſe ihn nicht de⸗ müthigen würde, weil es dennoch ein Sieg war, den er gewann; aber er fühlte auch, daß ſie ihn unausſprechlich glücklich machen köunte, weil er dieſen Sieg über ein gutes Weib errungen hatte, und ſein Herz bedurfte einer freundlichen Stütze, um ihn in ſeinen eigenen Augen empor zu richten und ihm die Kraft zu verleihen, ſeiner