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„Ich hielt mich etwas länger als zwei Jahre in Paris auf. Mit einer Kühnheit, die nur derjenige be⸗ ſitzen kann, der nichts zu verlieren hat, benützte ich alle Gelegenheiten, um in jedes Verhältniß einzudringen, wo⸗ bei ich mir den mindeſten Vortheil verſprechen konnte. Den Kühnen gelingt es oft, das habe ich erprobt. Der Erfolg begleitete mich, nicht wie mein Schatten, ſondern wie mein beſſeres Ich. Die Hölle hat in Paris ihren Schlund erweitert, und ſtreitet mit dem Himmel um den Vorzug. Wie in Pompeji findet man auch in der Hölle Abgötter. Wie liebte ich Paris! Das Leben bewegt ſich dort in ſo vielen verſchiedenen Schattirungen, daß das Verbrechen ſelbſt dadurch maskirt wird. In Schweden dunſtet die Geſellſchaft eine Gasart aus, die gleich der Hundsgrotte am Agnanerſee tödtet oder lähmt. In Paris dagegen wanken die Inſtitutionen beſtändig, und tauſend Hülfsquellen eröffnen da dem kühnen und kräftigen Mann tauſend neue Wege zu neuem Leben. Die Ereigniſſe befeuern den Mann, und heben ihn empor, oft ohne daß er ſelbſt davon weiß. Da erzeugt das Feuer in der Bruſt der Männer einen zweiten Monte Nuovo unter ihren Füßen. Paris! Paris! Du lehrteſt mich, was ein Mann bedeutet, du lehrteſt mich leben. Gleich einer zweiten Venus Kallipyga führte dein Genius mich vor⸗ wärts, vorwärts, und mit Wolluſt genoß ich die Liebe, die du in ſo reichem Maße allen deinen Verehrern in der ganzen Welt ſchenkſt; du läſſeſt nicht deinen Schleier über das Geſicht fallen, ſondern er flattert hinter dir, während du mit aufgehobener Tunika beſtändig deinen Anbetern berauſchendes Entzücken verleihſt. Ach Paris! Paris! Man vergißt, daß es einen Gott gibt, wenn du einen an das Herz drückſt, und man dich anbeten darf.“
Gourville verſtummte hier. Seine Augen glänz⸗ ten, ſeine Stirne ſtrahlte, er war außer ſich vor Be⸗ geiſterung.
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