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„Nach einem halben Jahr entfloh ich von Rindön. Ein Plan war in mir aufgetaucht, und ſobald ich in die Hauptſtadt kam, begab ich mich ſogleich zum Rektor.
„Er empfing mich mit demſelben Lachen und dem⸗ ſelben freundlichen Handſchlag, wie gewöhnlich.
„Ich dachte mir's wohl, daß Du mit Deinen An⸗ lagen Dir in Rindön nicht gefallen würdeſt. Kann ich Dir jetzt auf irgend eine Art zu Dienſten ſein??
„Ich erklärte ihm, daß ich das Land zu verlaſſen, und meine Profeſſion in der Fremde zu ſtudiren wünſchte.
„Seine Stirne erheiterte ſich, während ſein ſcharfer Blick mich zu durchdringen ſuchte, und über ſeine Lippen ging ein Ausruf der Zufriedenheit.
„Du willſt nach Paris,“ ſagte er.„Ah, ich ver⸗ ſtehe. Das iſt ein auter Gedanke... wahrhaftig, dort wird ſich für Dein Talent und Deinen Muth ein großes Feld eröffnen.“
„Er verſtand mich, ohne daß ich meine Ideen näher zu entwickeln brauchte, und das freute mich.
„Mein Wunſch war, daß er mir eine Gelegenheit verſchaffen möchte, ſobald als möglich fortzukommen.
„Durch ſeine Vermittlung ſtand auch ſchon am fol⸗ genden Tag in den Zeitungen zu leſen, daß ein anſtän⸗ diger, thätiger und kenntnißreicher junger Mann, der ſich in eigenen Angelegenheiten nach Paris begeben wolle, bei einer reiſenden Familie in Dienſte zu treten wünſche. Der Rektor verſah mich mit Zeugniſſen, und binnen vier und zwanzig Stunden war ich als Bedienter angeſtellt und befand mich auf dem Weg nach meinem neuen Be⸗ ſtimmungsort.
„Es wäre mir unmöglich, das wunderbar großartige Gefühl zu beſchreiben, das mich ergriff, als ich mich in Paris, dieſem Herzen Europas, von welchem die ganze Civiliſation unſerer Zeit ausſtrömt, um in ewigem Kreis⸗ lanfe⸗ zurückzuſtrömen, zum erſtenmal auf die Straßen
begab.
Das Gewiſſen. V. 17


