Teil eines Werkes 
17. bis 21. Bändchen (1852)
Entstehung
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vergeſſen, welche der letzte Wille ſeines Pflegevaters zur wichtigſten Aufgabe ſeines Herzens gemacht, und nun kamen auch noch dieſe neuen Aufgaben zu den älteren. Er glaubte zwar nicht, daß ſie etwas mit einander ge⸗ mein hätten, aber ſie betrafen gleichwohl dieſelben Per⸗ ſonen, und da er ſie in der einen Beziehung ausforſchen wollte, ſo war natürlich alles, was ſie anging und was ihm einigen Halt geben konnte, für ihn von Intereſſe.

Die Entdeckung, die er bei Abraham machte, daß nämlich Gabriele und die Baronin Lander, Erſtere vor und Letztere während ihrer Ehe einen Liebeshandel ge⸗ habt, der bisher der Welt verborgen geblieben, über⸗ raſchte ihn nicht blos, ſondern erklärte auch einen großen Theil des Dunkels, worin er bis jetzt herumgetappt hatte.

Es war nicht mehr ein unklarer Argwohn ſeines geiſtesſchwachen Pflegevaters, nicht blos myſtiſche Phraſen in einigen zufällig erhaltenen, nicht unterzeichneten Brie⸗ fen, ſondern es war eine faktiſche Wahrheit, daß die Liebe bei dem heimlichen Todesfall des Baron Lander ihren Finger im Spiel gehabt; es war auch nicht mehr blos ein loſes Gerede von verletzten ehelichen Pflichten und verrathener Liebe, nicht mehr blos eine Sage, daß Kinder geboren worden, von deren Schickſalen ſelbſt die Mütter bisher ganz und gar nichts erfahren konnten.

Gabriele hatte Alles bekannt. Die zärtliche, mütter⸗ liche Ergebenheit, welche ſie einen einzigen Augenblick ſo ſehr beglückte, als ſie in Paul ihren Sohn zu ſehen hoffte, bewies ihre Unſchuld. 4

Die treue Hingebung an das Kind iſt im Mutter⸗ herzen die ſchönſte Abendröthe der Liebe und verklärt die Frau nicht minder ſchön, als das Morgenroth der Liebe, wenn ſie zum erſtenmal liebt.

Paul war von ihren ſanften Leiden gerührt worden. Einen Augenblick war ſein Herz mit warmem kindlichem Gefühl ihr entgegengeflogen. Ein Gefühl, das nicht erſterben konnte, erwärmte ihn jetzt noch.