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Liebe vor, ſo muß auch die Lebensfreude gleich ſein. Aber man zweifelt im Allgemeinen an der Möglichkeit chriſtlicher Liebe im Staatsleben, und man ſcheint ſeine ausſchließliche Hoffnung auf den äußeren Zwang des bür⸗ gerlichen Geſetzes zu ſetzen. Man beſtrebt ſich ſo ſehr als möglich, die Menſchen auch äußerlich gleich zu ſtellen, und man nimmt an, daß, wenn dieſes geſchehen ſei, jedes Judividuum es ſich ſelbſt zuzuſchreiben habe, wenn es ſich oben erhalte oder unterſinke, und ſo iſt man auf die herz⸗ loſeſte, kälteſte Geſellſchaftsbahn gekommen, die in ihrem Fortgang, wenn ein ſolcher überhaupt denkbar iſt, zu ei⸗ nem ganz entſetzlichen Deſpotismus leitet, der alles, was die Geſchichte vom Deſpotismus vergangener Zeiten er⸗ zählen kann, weit überſteigt.
Paul hatte ſich inzwiſchen nur mit ſeinen eigenen Leiden, ſeinem eigenen Gedankengang beſchäftigt.
Bald ging er im Zimmer hin und her, bald blieb er ſtehen und lehnte die Stirne in ſeine Hand; bald ſah man, wie die blaſſe Unruhe die Roſen von ſeinen Wangen verjagte; bald richtete er ſtolz ſein Haupt auf, bald glänzte eine Flamme in ſeinen Augen.
Einmal ergriff er wieder den Brief, in der ſichtbaren Abſicht, ihn zu zerreißen, that ſich aber Einhalt mit einer Bewegung, welche zu ſagen ſchien: keine Uebereilung,
aul! „ Inzwiſchen fuhr Brauner fort zu leſen, und mitunter drang dennoch ein Wort zu Pauls Ohr; mit dem Wort folgte ein Gedanke, mit dem Gedanken ein Eindruck, und der Eindruck tönte durch ſeine Seele, in Harmonie mit ſo vielen der Meditationen, die bald als dunkle Vorſtel⸗ lungen, bald als ſchöne Ahnungen, bald als klar begriffene Anſichten darin gelebt hatten. Und endlich erging es ihm, wie es jedem edlen und warmen Herzen ergehen muß, nehmlich das eigene Leiden räumt dem Intereſſe für die großen Fragen und Forderungen des vaterländi⸗ ſchen Lebens den Platz ein. Je größere Aufmerkſamkeit


