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Ohne daß Gourville in nähere Erklärungen einge⸗ gangen war, hatte er Kellner, dem ſein geachteter Name und die perſönliche Bekanntſchaft mit dem Polizeimeiſter Eintritt in das Gefängniß verſchaffen konnte, veranlaßt, Brauner zu beſuchen. Als Lockmittel gebrauchte Gour⸗ ville die Neugierde Kellners, den Greis auszuforſchen, mit dem er früher in einer ſeltſamen Berührung geſtan⸗ den hatte. Unter Anderem hatte Gourville ihn die Möglichkeit befürchten laſſen, daß Brauner im Polizei⸗ verhör von ſeinem Beſuch in der Diebshöhle ſchwatzen könnte, und ihm vorgeſpiegelt, es wäre ein Vortheil, wenn man den Alten zur Flucht veranlaſſen könnte. Der Fuchs hatte bei ſeinem Diebſtahlsverſuch in Pauls Haus Gourville's Plan verfolgt, und dieſer ſah ein, daß der Fuchs, als er auf friſcher That ergriffen wurde, die Schuld von ſich auf Brauner zu wälzen ſuchte. Gour⸗ ville berechnete daher ſchnell, daß, wenn man Brauner zur Flucht veranlaßte, der Argwohn der Polizei ſich um ſo ſicherer gegen ihn wenden würde. Zur rechten Zeit konnte man ja immer noch die Polizei wieder auf ihn hetzen. Gelang der Plan, ſo gedachte Gourville einen von den Stallknechten zu erkaufen, der ihn in den Hof herauslaſſen ſollte. Kellner verſchaffte ſich alſo eine Ein⸗ trittskarte, und der Wachtmeiſter ließ ſich leicht überre⸗ den, Brauner in ein eigenes Zimmer zu führen. Dieſer Plan war nicht übel ausgeſonnen. Während inzwiſchen Kellner hier in ſeinem eigenen Intereſſe zu handeln meinte, war er gleichwohl ein Werkzeug für Gourville's Abſichten. Die Pläne Beider ſcheiterten jedoch an Brau⸗ ners Beſchluß, deſſen Motive jedoch keiner ſo leicht ein⸗ ſehen konnte.
„Sie ſchweigen,“ begann Brauner, als Kellner ſtill blieb.„Wer hat Sie zu dieſem Beſuch verleitet? Es gibt einen großen Verbrecher, der, ich weiß nicht unter welchem Namen, bei Ihnen eingedrungen iſt; hat er Sie geſandt?“


