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weiſen, daß Sie nicht ſo rein ſind, wie Sie durchſchim⸗ mern laſſen möchten.“.
Während der Pauſe, die jetzt entſtand, ſuchte Brau⸗ ner noch einmal mit ſeinem Blick das Dunkel zu durch⸗ dringen, um zu entdecken, mit wem er ſprach.
„Sie waren von zwei Perſouen begleitet,“ fügte der
Unbekannte hinzu,„ich weiß es mit Sicherheit.“
Dieſe Bemerkung war unvorſichtig von Seiten des Unbekannten, weil Brauner in ſeinen Muthmaßungen von ihr geleitet wurde. Der Greis begann auch jetzt genauer auf die Stimme des Unbekannten zu achten, als er bisher gethan hatte.
„Und wenn ich zugäbe, daß Sie Recht haben,“ antwor⸗ tete Brauner, welchen Schluß wollten Sie daraus ziehen?“
„Daß Sie ſich von den Dieben dazu gebrauchen ließen, ehrliche Leute in ihre Schlingen zu locken... daß Sie...
Der Unbekannte drückte ſich hitzig ans, ſchien dies
aber ſogleich ſelbſt zu mißbilligen, und verſtummte, um⸗
ſeinem Zorn ein Ende zu machen.
„Ihre Schlüſſe ſind fehlerhaft, Herr,“ verſetzte Brau⸗ ner.„Ich leuchtete wirklich zwei Perſonen, aber ich that dies in der That nur, um einer einzigen in etwas zu nützen.“
„Und wer war dieſe? Aber vermuthlich wollen Sie den Mann auch nicht verrathen?“
Brauner konnte ſich nicht länger in der Perſon ſei⸗ nes Beſuchers täuſchen.
„Wer er war?“ wiederholte Brauner die Frage. „Ein Mann, Herr, der in Folge ſeiner Stellung in der Welt und ſeiner reichen Naturanlagen ein Muſter in allem Guten und Edlen hätte ſein ſollen, der aber gleich⸗ wohl, fürchte ich, in einen Wirbel, wenn auch nicht von Verbrechen, ſo doch von Laſtern hineingezogen worden iſt. Dieſer Mann hat es weit gebracht, aber er ſteht dennoch am Rande ſeines Verderbens. Allzu großart ge Spekulationen, ſowie der Hochmuth, die Hitze und der


