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berühmte Haſelhügel noch voll von Haſelſtauden ſtand, wo man an Seeiſſchankeln ſich ſchwang, wo die Tänze wirbelten und die Violinen und Harfen in das allgemeine Entzücken mit einſtimmten, wo der geniale und heitere Dichter des ſchwediſchen Volkslebens, Vater Bellmann, ſich zuweilen unter die große Eiche ſetzte, die noch anf dem Hügel ſteht, und durch Geſang und Reden die Freude erhöhte, oder wo man mitunter Guſtav III. ſelbſt in Civilkleidern ſich luſtig machen ſah, gleich jedem andern armen Sünder. Aber andere Zeiten, andere Sit⸗ ten. Und wenn man jetzt unſre feinen Stockholmer Jung⸗ fräulein ebenſowenig dazu bringen kann, im grünen Graſe zu tanzen, als einen der fröhlichen Sänger unſrer Zeit, die Lieder vom Haſelhügel zu ſingen, ſo weiß gleichwohl der Himmel und auch die Kaſſenbücher wiſſen es, daß es an Vergnügungen nicht mangelt; unſere Zeit ſcheint keine Luſt zu haben, etwas Feudales ſtehen zu laſſen. Sie nimmt ſich ein Recht über Alles heraus, und ſowohl die eruſteſten Forſchungen, wie auch die ſcherzenden Gei⸗ ſterſpiele, die früher in den höchſten Kreiſen am meiſten gediehen, erobert ſie für das: größtmögliche Publi⸗ kum. Nur diejenigen, die bereits ausgenoſſen haben, kön⸗ nen darüber klagen, daß es kein Vergnügen mehr gebe. Man braucht blos einen Blick auf die Zeitungsannoncen zu werfen und man wird ſogleich finden, wie die öffent⸗ lichen Vergnügungen ſich nicht blos drängen, um recht ſichtbar zu werden, ſondern förmlich die Spalten über⸗ laden. Ein kurzer Gang durch den Thiergarten überzeugt auch Jedermann leicht, daß es nicht an Gelegenheit fehlt, ſich auf jede beliebige Weiſe zu amüſiren: überall ſind dem Vergnügen Tempel errichtet, überall ſtehen Wirths⸗ häuſer und Conditoreien. Hier ein Theater, wo Thalie mit der Maske in der Hand Dich zu ihren Zerſtreuungen einlädt, dort ein Tivoli, ein zweiter olympiſcher Circus, wo alle Zauberkünſtler ſich ein Rendezvous geben, nur um Dich zu erheitern. Aber mit den zunehmenden, überall


