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Dingo leckte ihm den Hals.
„Vielleicht biſt du ein wenig philoſophiſch geſtimmt, mein Freund Dingo.“
Dingo antwortete nicht mehr, ſondern fuhr fort, ſeinem Herrn den Hals zu belecken.
„Armer Dingo!“. 3
Dingo hatte ſich an eine und dieſelbe Stelle ſeines Halſes gehalten, und Gourville fühlte jetzt, daß es ihn zu brennen anfing.
„Sachte, mein Freund, ſachte.“. 3
Nach dem Brennen ſtach es ihn heftig in die Haut, wie mit einem Pfriemen.
Gourville beugte ſich dabei gegen den Spiegel vor, um zu ſehen, was es war.
Hätte der kühne Abenteurer beim Anblick einer drohenden Gefahr von Angſt überraſcht werden können, ſo würde er ſicherlich in dieſem Augenblick eine ſolche empfunden haben. Als nehmlich ſein Blick in den Spie⸗ gel fiel, ſah er, daß der Hals an dem Platz, wo Dingo ihn beleckt hatte, roth, gleichſam entzündet war, und daß ein Blutstropfen herausquoll. Aber nicht genug damit. Dingo's Augen flammten von Wildheit und garſtiger Gefräßigkeit, während ſeine Kinnbacken bereits mit ihren ſchneeweißen Zahnreihen gleich einem doppelten Bogen von funkelnden Dolchen ſeinen Hals umſchloſſen. Der Hund war zum Raubthier geworden. Er hatte Blut gekoſtet und wollte noch mehr. Seine Schmeicheleien waren nicht von Ergebenheit, ſondern von Blutdurſt ver⸗ anlaßt. Sein Blick folgte unverwandt den rinnenden Blutstropfen. Er ſchien ſich an dieſem Anblick zu laben, und gab ſein Wohlbehagen durch ein dumpfes brummen⸗ des Geheul zu erkennen. 3
Trotz der Gefahr des Augenblicks bewegte ſich Gouxville nicht vom Platze.
Mit Ruhe betrachtete er Dingos Bild im Spiegel.
Der Hund bemerkte nicht, daß er beobachtet wurde.


