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Ganz beſonders auf den nackten Theil des Halſes heftete Dingo ſeinen brennenden Blick.
Als Gourville ſeinen Kopf beugte, ſchwollen die Adern, und die Sehnen am Halſe bewegten ſich.
Dingo leckte ſich das Maul, und da Gourville, mit ſeiner Metamorphoſe beſchäftigt, auf ſeinem Platz ver⸗ weilte, erhob ſich Dingo endlich auf die Hinterfüße, und legte die Vordertatzen auf die Stuhllehne hinter ihm.
Gourville fuhr mit ſeiner Toilette fort, ohne auf den Hund zu achten, bis dieſer nach einer Weile ſeinen Hals zu belecken anfing.
„Mein Freund Dingo, du liebſt alſo deinen Herrn ſehr,“ ſchwatzte Gourville mit ihm.„Armer Dingo, daß du immer ſo im Arreſt bleiben mußt! Armer, ehrlicher Dingo!“
Der Hund antwortete ihm bloß mit einem langen, klagenden Getöne, worauf er ihm wieder den Hals zu belecken anfing.
Gourville liebte ſeinen Dingo ſehr und konnte es nicht übers Herz bringen, ihm dieſe deutlichen Beweiſe von Freundſchaft und Ergebenheit zu verwehren. Es geſchah ja ſo ſelten, daß ſie jetzt einander trafen.
Gourville fuhr mit ſeiner Toilette fort, und der Hund fuhr fort, ihm den Hals zu belecken.
„Treuer, redlicher Dingo!“ ſchwatzte Gonrville da⸗ zwiſchen.
Dingo antwortete mit einem Geheul, das aber, obſchon ebenſo klagend wie vorher, heftiger war.
„Du biſt leidenſchaftlich in deiner Liebe zu mir, mein armer Dingo.“
Dingo heulte noch mehr.
„Armes, getreues Thier.“
Dingo murrte.
„Du mnßt hier in deiner Einſamkeit deine eigenen Gedanken haben über meine immer ſeltener werdenden Beſuche, mein lieber Dingo.“


