Teil eines Werkes 
8. bis 11. Bändchen (1852)
Entstehung
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„Sie war der Mittelpunkt vieler unſrer augenehm⸗ ſten Jugendvergnügungen. Als wir ſie umgaben, war ſie die Seele unter uns.“

Die Baronin wurde immer nnruhiger. Man be⸗ merkte ſehr gut, daß ſie errieth, wen er meinte.

Franz Kellner hatte dem Wunſch des Greiſes nach⸗ gegeben, aber ſich mit Verdruß zurückgezogen.

Gabriele ſaß beinah halb träumend da. Der Gang und Inhalt des Geſprächs war ihr zwar nicht entgangen, aber ſie meinte, daß nichts davon ſie ſelbſt betreffe, außer wenn etwas vorkam, was ihren Vater berührte.

„Sie war die Freundin von uns Allen,“ fuhr der Greis fort,„und wir waren ſämmtlich ihre Freunde. Sie war Deine Verwandte, Curt.“ 1

„Meine Verwandte?“ ſiel der Graf ein,„wen meinſt Du?“

Gabriele erhob ihr Haupt, als ſie die Stimme ihres! Vaters hörte.

Der alte Kelluer wandte ſich jetzt auch gegen ſie.

„Auch Du, Gabriele, kannteſt und liebteſt ſie. Du warſt an ihrem Todtenbette zugegen, glaube ich; ſie ſtarb ja auf dem Lande... auf Aſen.“ ni3

„Ach!“

Der rothe Flecken auf der Wange der Baronin braunte mit einem höheren Purpur.

Gabriele ſah fragend aus.

„Die Dame, die ich meine,“ fügte der Greis hinzu, „war keine andere als Deine Tante, Gabriele, die Oberſtin Reuter.“

„Meine Tante!“ 8

„Auf einmal ſtand das ganze vorausgegangene Ge⸗

ſpräch klar und deutlich vor Gabviele.

Die Baronin beugte ſich gegen den Sopha hinab, um den Ausdruck ihres Geſichtes zu verbergen. 4

Graf Curt zog ſich zurück, Er hatte nicht erwartet,

Das Gewiſſen. Il. 14 56181