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„Wollen Sie Ihre Erinnerungen verrathen?“ fuhr Franz fort.„Die Erinnerung, die ihre Zuflucht zum Herzen eines Mannes genommen hat, ſollte auch ſicher fein können.“
„Paul hat dennoch Recht,“ antwortete der Greis. „Vor einem Richterſtuhl hat keine Erinnerung das Recht, ſich in meinem Herzen zu verbergen.“
„Und Sie glauben alſo, mein Vater,“ verſetzte Franz,„daß Sie jetzt vor einem Richterſtuhl ſtehen? Welche Blindheit! Verzeihen Sie mir, daß ich das ſage, mein Vater.“
„Ich ſtehe vor dem Richterſtuhl der Freundſchaſt, dead Ich ſtehe auch vor dem Richterſtuhl meines Ge⸗ wiſſens.“
„Sprich, alter Freund, ſprich,“ fiel der General ein,„wer war die Dame?“
„Sprich, ſprich!“ forderten ihn auch Graf Curt und Baron Krook auf.
„Ihr Name,“ antwortete der Greis, indem er ſich wieder die weißen Locken aus der Stirne ſtrich,„iſt ſeit zwanzig Jahren nicht über meine Lippen gekommen, und dennoch fühle ich, daß er in meinem Herzen nicht ge⸗ ſtorben iſt.“
Die Stirne des Greiſes ſtrahlte von einem milden Glanz. Unſere Ingendneigungen verwandeln ſich mit den Jahren in fromme Gefühle. Das Leben kleidet unſere Liebe oft mit Diſteln und Dornen, der Tod ſchmückt ſie immer mit einem Heiligenſchein.
„Ihr Name,“ fuhr der Greis fort,„iſt die letzte Blume im Kranz meiner Erinnerungen; auch ſie mag fallen wie die andern.“
Man ſah, wie hart es den Greis ankam, den Na⸗ men der todten Freundin zu nennen.
„Ihr Name,“ fuhr er fort,„ihr kennt ihn alle.“
Ohne es zu beabſichtigen, ſteigerte der Greis die Neugierde der Anweſenden.
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