Teil eines Werkes 
8. bis 11. Bändchen (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

203

ſtehen ſchien, weil er ihn beantwortete. Als der Grew aufhörte und der General, ſowie Graf Court ihn erſuch⸗ ten, den Namen der unbekannten Dame zu nennten, da ſtockte ihr Athem und ihre Bruſt hob ſich erſt dann wie⸗ der etwas leichter, als er ihnen antwortete, ſie ſei todt und ihr Name ſei ihm heilig.

Paul hatte mit nicht geringer Aufmerkſamkeit, aber mit vollkommener Ruhe die Erklärung des Greiſes an⸗ gehört.

„Es iſt wahr, die Erinnerungen an die Todten ſind uns heilig,“ verſetzte auch er jetzt,„aber welcher von den Todten, derjenige, der die Aufklärung eines Verbrechens verlangt, oder derjenige, deſſen Handlungen daſſelbe viel⸗ leicht verbergen, wird hier wohl dem andern weichen müſſen?“

Die Frage war richtig, aber der alte Kellner blieb nichtsdeſtoweniger ſtill.

Die Baronin warf einen verſtohlenen Blick auf Franz Kellner, und dieſer richtete ſich auf, während ein Ausdruck des Verdruſſes über ſein Geſicht glitt.

Dreiſt maß er Paul mit einer ſtolzen Bewegung und einem Blick, welcher andeutete, daß er bereit ſei, den hingeworfenen Handſchuh aufzunehmen.

„Wunderliche Fragen!“ begaun er;„eine noch wun⸗ derlichere Art zu raiſonniren,“ fügte er nach einer Pauſe hinzu.„Ich weiß nicht genau, um was es ſich eigentlich hier haudelt; aber es betrifft meinen Vater und deßhalb auch mich. Was verlangt denn mein Herr Vetter? Wie aus einer Bombe geworfen, kommt er hierher und maßt ſich anim Namen einer todten Angehörigen ältere Männer für ihre Jugendhandlungen zur Verantwortung zu ziehen. Was berechtigt ihn dazu? Welche Abſichten hat er da⸗ bei? Hat er vielleicht mehr Recht als irgend ein anderer, in die kleinen Geheimniſſe des Familienlebens einzudrin⸗ gen, um ſodann ſeine Entdeckungen vielleicht dem Ge⸗ lächter eines ueugierigen Publikums preis zu geben?

—OO——