Teil eines Werkes 
8. bis 11. Bändchen (1852)
Entstehung
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In Erwartung ſeiner Tochter hatte der General eines der Tagsjournale genommen und beſchäftigte ſich mit Leſung deſſelben; aber ſobald ſie ſich zeigte, warf er das Blatt weg.

„Guten Morgen, mein Kind,“ ſagte er, indem er ihr freundlich die Hand reichte,„heute haſt Du Deinen alten Vater lange warten laſſen. Bring' den Kaffee, Held.“

„Verzeihe mir, Papa, verzeihe mir. Ich fühlte mich auf den Ritt etwas müde. Du darfſt mit Deiner kleinen Jaquette nicht unzufrieden ſein, Papa.“

Der Kaffee wurde jetzt hereingebracht und ſervirt.

Held begab ſich inzwiſchen in das Privatzimmer des Generals.

Vater und Tochter waren allein.

Die martialiſche Geſtalt des Generals, ſein ernſter Blick und ſein kräftiges Ausſehen, das vollkommen die geheimen Kämpfe verdeckte, die in ſeinem Innern zehr⸗ ten, und das blühende Mädchen an ſeiner Seite bildeten unläugbar ein einnehmendes Familiengemälde, würdig,⸗ vom Pinſel eines Meiſters gezeichnet zu werden.

Der General hatte einen Blick voll zärtlicher Liebe auf Jaquette geworfen, und es kam ihm vor, als hälte ſte etwas auf ihrem Herzen, das ſie ihm anvertrauen wolle. Jaquette war nämlich nicht gewöhnt, Geheimniſſe zu haben; ſie wußte kaum, was ein Geheimniß beſagen wollte. Keine Tochter konnte gegen ihren Vater aufrich⸗ tiger ſein als ſie. Aber der General ging auch, trotz ſeiner Strenge im Dienſt und ſeiner ernſten Haltung im

öffentlichen Leben, bei Jaquette auf all ihre kleinen kin⸗

diſchen Launen mit ſo viel Aufmerkſamkeit und Feinheit ein, daß man darin eine faſt mütterliche Zärtlichkeit ent⸗ deckte. Er hatte ſich frühe daran gewöhnen müſſen.

„Was Neues, mein Mädchen?“ begann er.„Du mußt etwas auf dem Herzen haben, mein Kind, Du

ſiehſt ſo ernſthaft aus.“

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