Boudoir eingeräumt. Mit Lektüre beſchäftigt, hatte ſie ſich den ganzen Vormittag dort aufgehalten und würde ſicherlich auch jetzt noch geblieben ſein, wenn ſie nicht deutlich gehört hätte, daß im Boudoir etwas Ungewöhn⸗ liches vor ſich ging. Sie begab ſich alſo hinein, um zu ſehen, was ſich zutrug. Als ſie Frau Kellner in Ohn⸗ macht und einen fremden Mann über ſie hingebeugt ſah, wollte ſie ſogleich zu Hülfe eilen; aber in dieſem Moment fiel ihr Blick in den Spiegel und ſie traute ihren Augen kaum, als ſie ſah, wer es war.
Obſchon Gourville's Scherz beleidigend und grob war, ſchlug Mathilde nicht einmal ihre Augen vor ihm nieder.
„Wer hat Dich hieher geſchickt? Was willſt Du hier?“ fragte er ſie.„Entferne Dich ſogleich aus dieſem Zimmer.“
„Nicht ſo lange Sie hier ſind.“
„Du ſcheinſt mich zu kennen?“
„Ebenſo gut als Sie mich kennen.“
„Dich, ein öffentliches Mädchen, hat Jedermann das Recht zu kennen. Pack Dich fort, Waldhahnenfuß.“
„Deine Maske mag für Andere gut genug ſein,“ antwortete ſie,„iſt aber gleichwohl zu wenig gelungen, als daß ich ſie nicht durchſchauen ſollte.“
Gourville war einen Augenblick verlegen, dann aber hob er ſeine Stirne und ſah ihr kühn in die Augen.
„Du ſcherzeſt, meine Liebe, fort... in dieſem Hauſe bin ich mehr befreundet als Du... fort...
„Ich weiche nicht von der Stelle und jetzt deßhalb nicht, weil ich Dich kenne.“ 3
Gourville ſtreckte ſeinen Arm aus, um ſie auf die Seite zu ſchieben, aber Mathilde ergriff Gabrielens Hand und hielt ſich an ihr feſt.
„Keine Macht in der Welt,“ ſagte ſie,„kann mich von der Seite meiner Wohlthäterin trennen... nicht einmal Du, Löwe!“
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