Teil eines Werkes 
5. bis 7. Bändchen (1852)
Entstehung
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widerſtehlich ſelbſt dem Geſunkenſten eine inſtinktmäßige Achtung einflößt, zumal wenn ſie noch überdieß ſchutz⸗ los ſind. Es iſt beinah, wie wenn Gott ſelbſt mit ſeinem Finger in dieſes, nicht für unſer äußeres, wohl aber für unſer inneres Auge ſichtbarer Glorie einen unüberſteig⸗ lichen ſchützenden Zauberkreis um die Seinigen gezogen hätte. Gourville hatte niemals ſo viel Achtung vor einem Weibe gezeigt, als er in dieſem Augenblicke gegen Ga⸗ briele zeigte, obſchon er ſeine Gewalt über ſie kannte und ſie ohnmächtig vor ihm lag. Nichts deſtoweniger labte ſich ſein Gemüth mit wollüſtigem Behagen ſowohl an ihrem Anblick, als an den holden Gedanken, die da⸗ durch hervorgerufen wurden und ihn in eine ſtille, aber hinreißende Schwärmerei verſetzten. Gonrville hatte nie⸗ mals eine ſolche Ruhe und einen ſolchen Frieden in ſich gefühlt, wie jetzt. Die Weiber, die er bisher bewundert oder geliebt, hatten beunruhigende und erſchütternde Lei⸗ denſchaften in ſeiner Seele geweckt. Gabriele dagegen⸗ brachte die Leidenſchaften darin zum Schweigen. Der Eindruck von ihr verbreitete gleichſam ein Sonnenlicht über ſein Herz, das in dieſem Angenblick ſo ruhig und klar war wie eine Meeresfläche, die nicht von Stürmen aufgeregt wird, ſondern in ihrer ſchimmernden Ruhe den Himmel und ſeine Sterne abſpiegelt.

Gonrville verſtand ſich ſelbſt kaum. Die wilden Be⸗ gierden waren in ſeiner Bruſt verſtummt. Seine Augen⸗ lider fielen zuſammen und ſein Blick ſchwebte wie eine Taube über ſeine innere Welt aber dieſe war jetzt keine brauſende Sündfluth, ſie war ein neues, hauptſäch lich ihm ſelbſt vollkommen neues, gleichſam verzaubertes Reich, ſo wie die Feenmärchen es ſchildern, voll von ſchö⸗ nen wunderbaren Pärken, voll von Blumen und fanta⸗ ſtiſchen Herrlichkeiten.

Aber kräftige und gewaltige Naturen gleichen dem Tropenhimmel: in einem Augenblick werden ſie nur von Licht und Ruhe durchſtrömt, im andern ſind ſie in vollem