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„Es thut mir leid um Sie, Madame. Jeder Un⸗ glückliche iſt mein natürlicher Freund. Ich bin auch un⸗ glücklich. Aber Ihr Unglück kommt von Ihnen ſelbſt, das meinige habe ich nicht verſchuldet. Ihr Unglück beſteht eigentlich darin, daß Ihr Herz krank iſt. Sie müſſen die Welt etwas vorurtheilsfreier betrachten, dann werden Sie friſcher und ebendadurch auch glücklicher werden. Wenn Sie mir erlauben, will ich Ihnen mit kurzen Worten ſagen, wie Ihre Welt ausſieht... wollen Sie dieſelbe ſehen?“
Alles, was Gourville ſagte, war ſo deutlich, ſo dreiſt und enthielt ſo viel, was Gabriele nicht beſtreiten konnte: ſie überließ ſich auch ganz dieſem Eindruck.
„Sie lieben Ihren Mann nicht und er liebt Sie auch nicht. Sie wiſſen, daß, obſchon er bereits nicht mehr jung iſt, allzu jugendliche Leidenſchaften in ſeiner Seele ſpielen. Kennen Sie Mamſell Michelſen?“
„Nein, Chevalier, nein.“
„Wenn Sie wollen, ſo werde ich Ihnen eine Gele⸗ genheit verſchaffen, ſie zu hören und zu ſehen. Sie ant⸗ worten nicht.“
Gabriele war ganz Ohr, und doch hörte ſie nur verworren, was er ſagte. b
„Sie glauben Frank zu lieben,“ fuhr Gourville fort, „und gleichwohl paßt er nicht für Sie. Seine melan⸗ choliſche Gemüthsart verſtimmt die Ihrige. Sein kränk⸗ licher ſentimentaler Charakter vermehrt nur Ihre eigene Sentimentalität. Sie begraben Ihr Herz in einem Ab⸗ grund von Sorgen, ohne daß Sie ſich daraus zu retten vermögen. Sie ziehen ſich von dem friſchen und fröhli⸗ chen Leben, das unter einer klaren Sonne und einem reinen Himmel ſo wohl gedeiht, zurück, um zu ſeufzen und unter milzſüchtigen Mondſcheinsträumereien zu ſter⸗ ben. Madame, laſſen Sie die Gedanken an den Grafen Frank fahren. Er zieht Sie nur in die Tiefe ſeiner eigenen traurigen Einbildung hinab und kann Ihnen


