Teil eines Werkes 
5. bis 7. Bändchen (1852)
Entstehung
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Erſchrocken über ſeine Worte, eilte ſie flüchtig wie eine Gazelle von ihm hinweg.

Kellner liebte ſie eigentlich nicht, aber er war ihr gut, er konnte ſie wohl leiden, ſie hatte in ihrer Geſtalt etwas ſo Subtiles, was ſeiner Sinnlichkeit auf eine andere Art ſchmeichelte, als er bisher empfunden hatte.

So ſtand es in Kelluers Familie, als er die Ein⸗ ladung zur Baronin Lander erhielt und die Ereigniſſe eintraten, die wir oben beſchrieben haben.

Wir gehen jetzt zu Gourville zurück, der, nachdem er aus der Droſchke geſtiegen, eine ſchnelle Morgentoilette gemacht hatte, um einen Beſuch bei Gabriele abzuſtatten, während Kellner ſich noch bei Mamſell Michelſen aufhielt.

Als Gourville an die Thüre kam, die in Frau Kellners Zimmer führte, hörte er ſanfte Claviertöne ſich entgegenkommen.

Lauſchend blieb er einen Augenblick vor der Thüre ſtehen, dann aber ergriff er entſchloſſen die Klinke, drehte ſie und trat ein.

Frau Kelluer ſaß an ihrem Piano.

Das Piano war ihr ein treuer, beſtändiger Freund. Ihm vertraute ſie ihre Kümmerniſſe, ihre Betrachtungen, ihre Träume und Gefühle an; es beruhigte auch ihre Qualen und antwortete ihr mit holden milden Schmei⸗ cheltönen. So oft ſie eine Weile geſpielt hatte, war es ihr, als ob ihre Sorgen ſich in Harmonietönen auflöſten, und ohne daß ſie es wußte, ſtimmte ſie, gelockt von der Melodie, die fur den Augenblick ihrem Herzen am näch⸗ ſten lag, ſingend ein.

Das Gewiſſen. II. 12