Teil eines Werkes 
5. bis 7. Bändchen (1852)
Entstehung
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Einmal wurde er von einem Geräuſche geweckt, und als er die Angen aufſchlug, ſah er ein Frauenzimmerkleid in der Thüre verſchwinden.

„Sie war es,“ ſagte er zu ſich ſelbſt.„Der kleine Schalk.“

Inzwiſchen ließ ſich Kellner nichts anmerken, beſchloß aber, ſie zu fangen, ſobald ſie einen ſolchen Beſuch er⸗ neuern würde.

An dem folgenden Nachmittage warf ſich Kelluer zwar wie gewöhnlich auf den Sopha, ſchlief aber nicht, ſondern ſtellte ſich nur ſo.

Nach einigen Tagen ſah er auch, obſchon mit beinah verſchloſſenen Augenlidern, daß Mathilde hereinkam und ſich leiſe näherte. Er folgte ihr mit ſeinem Blick ſo ge⸗ nau wie möglich.

Er bemerkte jetzt... und dieß ſchmeichelte ihm ſehr . wie ſie an ſeiner Seite ſtehen blieb, ſich mit zurück⸗ gehaltenem Athem über ihn hinbengte und ihn betrachtete.

Seine erſte Regung war, in dieſer Stellung ſeinen Arm um ſie zu ſchlingen und ſie an ſein Herz zu drücken; aber er that ſich Einhalt, weil er ſehen wollte, was ſie weiter unternehmen würde.

Zu ſeiner Verwunderung ſollte er es bald erfahren.

Mathilde beugte ein Knie an ſeiner Seite, faltete ihre Hände und verrichtete ein Gebet.

„Mein Gott,“ dachte er dabei,„ſollte ſie mich wirk⸗ lich lieben? Armes Kind!“

Als ſie ihr Gebet vollendet hatte, erhob ſie ſich wieder.

Kellner wollte nicht länger heucheln, ſondern ſchlug ſeine Augen auf, und betrachtete ſie mit offenem Blick, da nun Mathilde mit einem Seufzer ſich wieder gegen ihn wandte, ſo begegnete ſie demſelben.,

Als ſie ſah, daß Kellner wach war, erröthete ſie bis an die Haarwurzeln.

„Schönes Mädchen,“ flüſterte Kellner;„es iſt alſo wahr, daß Du mich liebſt... daß Du mich ſehr liebſt.“