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kaum wagte, ſich ihr ebenſo ungezwungen zu nähern, wie einem gewöhnlichen armen Mädchen.
Es fand ſich ein gewiſſer angeborener Adel bei ihr vor, den man nicht erwartet hatte, obſchon dieſer ange⸗ borene Adel ſich weit gewöhnlicher findet, als man in der Regel zugibt.
Der Einzige, der ſeit Mathildens Eintritt vollkom⸗ men geſchwiegen hatte, war Kellner, und wenn man ſich die Zeit genommen hätte, ihn genauer zu beobachten, ſo würde man Ueberraſchung und Verwunderung in ſeinem Geſichte gefunden haben.
Bald jedoch beherrſchte er ſich und hieß Mathilde willkommen.
Als er ſie dabei an der Hand nahm, verſchwand der letzte Strahl von Purpur aus Mathildens Geſicht, und die Wange wurde von einer Farbe übergoſſen, ſo blaß wie der Stern der Nacht. Ein leichtes Zittern eilte durch ihren Körper und der Blick ſeukte ſich zur Erde.
Ueber Kellners Lippen dagegen ſchwebte ein freund⸗ liches, beinahe mit einem wollüſtigen Gefühl verwandtes Lächeln.
Nur der Pfarrer beſaß allzuviel Menſchenkenntniß und Scharfſinn, um nicht zu bemerken, daß zwiſchen Kellner und Mathilde ein beſonderes und eigenthümliches Verhältniß ſtattfand, oſchon er nicht zu rathen vermochte, worin es beſtehen konnte. Nichtsdeſtoweniger beunruhigte es ihn.
Won dieſem Tag an blieb Mathilde in Kelluers Haus.
Für Gabriele, deren Leben ſonſt ſo einſam geweſen, war ſie wie ein milder und verſöhnender Engel ge⸗ kommen.
Gabriele beſaß jetzt eine Freundin, der ſie alle ihre Gedanken und ihre ganze Liebe mitheilen konnte. Sie fühlte ſich nicht mehr allein wie früher, ſondern meinte jetzt etwas bekommen zu haben, wofür ſie leben könnte.


