Ruhig fügte er ſich alſo nach den Umſtänden, ent⸗ ſchloſſen, alles Mögliche zu thun, und dieſen Plan theilte er auch Gabriele mit.
In Bezug darauf erinnerte eines Tages Gabriele ihren Mann, daß ſie ſchon lange Zeit den Pfarrer der Gemeinde nicht mehr bei ſich geſehen hätten; er wurde deßhalb nebſt noch einigen andern Freunden ſogleich ein⸗ geladen.
Die Soupers bei Kellner waren immer ſehr ange⸗ nehm und auch dießmal war es der Fall. Aber vom Scherzen und Geplander über allerlei gleichgültige Ge⸗ genſtände kam man zuletzt auf Gemeindeangelegenheiten, wobei hauptſächlich der Pfarrer das Wort führte. Als ein gewöhnlicher Apropos erzählte er dabei, jedoch ohne das Ereigniß näher zu detailliren, daß ein Zufall ein vater⸗ und mutterloſes armes und ſchwaches Mädchen in ſeine Hände geworfen habe. Ihr Herz ſei ebenſo rein und gut, wie ihr Verſtand für Unterweiſung und gute Lehren empfänglich. Er klagte über die rathloſe Stellung der Armen, wenn ſie wieder auf die Straße geworfen werden ſollte, bemerkte, daß hier eine gute That verrich⸗ tet werden könnte, welche jedem, der die Mittel und Luſt dazu beſäße, alle Ehre machen würde.
Der Gegenſtand wurde mit ſo viel Takt und Fein⸗ heit entwickelt, daß die Sache allen Anweſenden zu Her⸗ zen ging.
Der Pfarrer blickte dabei abwechſelnd auf Herrn und Frau Kellner, aber dieß alles ging mit ſo natür⸗ licher Einfachheit zu, wie er denn in der That nur ſein für die ganze Menſchheit warm ſchlagendes Herz ergoß, daß niemand irgend eine Berechnung argwöhnen konnte und nur die beſſeren Gefühle der Anweſenden geweckt wurden.
Aus natürlicher Furcht über den Ausgang wurde Gabriele abwechſelnd roth und blaß. Die Aufforderung ſchien ſie lebhaft anzuregen.


