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durſte. Daß Gabriele dabei nichts auszurichten vermochte, war klar. Der Pfarrer nahm alſo die Sache auf ſich. Aber jemehr er darüber nachſann, um ſo ſchwerer fand er ſie. Kellner gerade heraus zu ſagen, daß Gabrielens krankhafte Gemüthsſtimmung der Zerſtreuung durch eine Geſellſchafterin bedürfe, und zwar juſt einer ſolchen, wie Waldhahnenfuß war, das hatte ſeine große Bedeuklich⸗ keiten, weil es beinahe unmöglich war, eine ſolche For⸗ derung zu motiviren, ohne daß ſie zu einem Raiſonne⸗ ment über die Folgen von Gabrielens erſtem Liebesver⸗ hältniß mit Frank führte, einem Verhältniß, das Kellner jetzt, ſei es nun unabſichtlich oder aus Berechnung, aus Gleichgültigkeit oder aus Verachtung, beinahe vergeſſen zu haben ſchien. Ein ſolches Raiſonnement mußte jedoch immer manche, nunmehr wirklich oder blos äußerlich ge⸗ heilte Wunde wieder aufreißen und Leidenſchaften, die jetzt ſchlummerten oder zu ſchlummern ſchienen, erwecken, wodurch die Verhältniſſe eher verſchlimmert als verbeſſert werden konnten. Je mehr der Pfarrer die Sache über⸗ dachte, um ſo delikater ſchien ſie ihm. Er war jedoch ein Mann, der, wenn es klar vor ſeinen Gedanken ſtand, daß er nützen könne, nicht gerne den Muth verlor; aber ſo ſehr er auch nachſann, ſo wußte er kein beſſeres Mit⸗ tel ausfindig zu machen, als daß man es auf die eine oder andere Art verſuchen ſollte, Mathilde in Kellners Familie einzuſchmuggeln. Dagegen ſtemmte ſich zwar ſein religiöſes Gefühl, aber eine geringere Rückſicht mußte vor einer wichtigern weichen, und das Wichtigſte war hier, Gabrielens Seelenfrieden und Gemüthsruhe zu retten. Er kämpfte zwar einen harten Kampf mit ſich ſelbſt, aber dieſer ſchloß mit der Ueberzeugung, daß er ſein eigenes Ich auf die Seite ſtellen und jede eigene Meinung auf⸗ opfern müſſe, um ſeiner durch Kümmerniſſe niedergedrück⸗ ten Mitchriſtin zu nützen. Er litt allerdings ſelbſt davon, aber er faßte ſeine Pflicht, für Andere zu leiden, als evangeliſch lutheriſcher Prieſter auf.


