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und ſie wie ihre eigene Tochter zu pflegen. Sie fragte auch Waldhahneuſuß, ob ſie nichts dagegen habe.
„Ich will Dir eine Mutter, eine Freundin, eine äl⸗ tere Schweſter ſein,“ ſagte Gabriele, indem ſie freund⸗ lich dem Mädchen die Hand drückte.„Dein Herz iſt be⸗ kreits entwickelt— das Leben entwickelt es immer am beſten— Deinen Verſtand will ich pflegen: wir wollen mit einander leſen und ſpielen, Du ſollſt meine Geſell⸗ ſchafterin ſein. Jeder Fortſchritt, den Du machſt, wird meine Freude ſein. Ach Du weißt nicht, wie arm an Freude auch mein Leben geweſen iſt.“
Während Gabriele ſprach, war es intereſſant, das Geſicht des Mädchens zu beobachten. Es verbreitete ſich darüber ein Schein, der zuerſt matt war, aber beſtändig an Glanz zunahm. Dieſer Schein kam von der unauf⸗
hörlich ſich ſteigernden Freude in ihrem Herzen. Die bisher ſo dunkeln Augen begannen immer höher zu ſtrah⸗ len von einem Gefühl der Dankbarkeit und Liebe. Ihre feine Geſichtszüge waren durchſichtig. Man ſah die wech⸗ ſelnden Regungen ihres Herzens. Wenn man etwas an ihr vermißte, ſo war es mehr das Irdiſche als das Aethe⸗ riſche. Die unſchuldige Erziehung, die ſie empfangen, die Leiden, die ſie ausgeſtanden, hatten ihrem ganzen We⸗ ſen einen Stempel der Reſignation aufgedrückt, der ſie zwar ſchön machte, aber auf eine andere Art, als man ſich gewöhnlich die Schönheit des Weibes denkt, weil es eine Schönheit war, die nichts von ſich ſelbſt wußte: es war die von einer holden, hinreißenden Rührung erweckte 8 Schönheit des Herzens, belebt von einem unſchuldsvollen Lüächeln und geſchmückt mit der Aumuth milder und rei⸗ ner Hoffnungen. . Gabriele betrachtete ſie mit Freude und Rührung. Sie begriff jetzt beſſer als je, warum man das Mädchen Waldhahnenfuß nannte.
„Ich ſehe, daß Du in meinen Wunſch willigſt..
nicht wahr, Du willigſt ein?“


