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Mitten auf dem Altar befindet ſich ein vergoldetes, all⸗ ſehendes Auge, und auf der einen Seite die zwei Tafeln mit den zehn Geboten, auf der andern ein aufgeſchlagenes Buch. Ueber dem Altar iſt die Kanzel. Ein vergoldeter Engelskopf trägt den Kanzelpult und der Prediger tritt von der Sakriſtei durch eine Thüre ein, die mit rothen Vorhängen bedeckt iſt.
Agnes hatte lange keine Kirche mehr beſucht, und der Gottesdienſt machte einen tiefen Eindruck auf ſie, ohne daß ſie deshalb den Grund vergaß, warum ſie hie⸗ hergekommen war.
Auf den unteren Bänken links vom Eingang ſitzen die Kindesmörderinnen. Die Vagabunden dagegen ſitzen rechts am Chor.
Agnes veranſtaltete es ſo, daß ſie zu äußerſt am Gang zu ſitzen kam, und ſie hoffte auf dieſe Art leicht diejenige, die ſie ſuchte, ſehen und ihr ein geheimes Zei⸗ chen geben zu koͤnnen.
Aber obſchon ihre Blicke genau alle einzelne Gefan⸗ genen muſterten, ſo konnte ſie die ſchwarze Charlotte nicht entdecken.
Beim Hinausgehen aus dem Tempel erfuhr ſie je⸗ doch, daß Charlotte ſich im Krankenhaus befinde, wo ſie als Untervorſteherin angeſtellt ſei.
Dieſe Nachricht freute ſie und ſie erkrankte jetzt ſo⸗ gleich auch, ſo daß ſie am folgenden Tag ins Kranken⸗ haus abgeliefert wurde.
Wie ſie in den Zimmern, die ſie bereits beſucht, Arbeitſamkeit und Ordnung gewahrt hatte, ſo fand ſie im Krankenhaus ſogar ein gewiſſes Behagen.
Man lebte da freier und hatte Gelegenheit, leichter und unbewachter ſich einander mittheilen zu können.
Als ſie in den großen Saal trat, waren Rekon⸗ valescentinnen damit beſchäftigt, denſelben aufzuräumen.
An der obern Seite des Saales entlang ſtanden


