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Eine Stunde ſpäter kam ich an ihrer Zelle vorbei und öffnete den kleinen Schieber an der Thüre. An die Wand gelehnt und mit den Händen vor ihrem Geſicht, weinte ſie bittere Thränen
Sie zählte erſt neunzehn Jahre.
Eines Samſtags Morgens wurde Agnes aus ihrer Zelle röüläſſen und in die Abtheilung der Landſtreicherinnen gebracht.
Was ſie jetzt ſah, war für ſie ein neues Gemälde: überall fand ſie Ordnung, Reinlichkeit und Arbeitſamkeit. Sie hatte ſich das Gegentheil gedacht und war erſtaunt.
An ein unordentliches, träges und leichtſinniges Leben gewöhnt, athmete ſie anfangs ſchwer unter dieſen beſtän⸗ dig raſſelnden Webſtühlen, ſurrenden Spinnrocken und den Näherinnen, die kaum Zeit zu haben ſchienen, von ihrer Arbeit aufzublicken.
Sie wußte jedoch, daß ſie nur kurze Zeit hier zu verbringen hatte, und das freute ſie jetzt mehr, als je.
Nachdem ſie ſich von ihrem erſten Erſtaunen erholt, dachte ſie jedoch an alles andere weniger, als an den Zweck ihres Beſuchs, nämlich die ſchwarze Charlotte zu treffen.
Die ſchwarze Charlotte war wegen Kindesmords zu drei Jahren Gefängniß verurtheilt.
Agnes hoffte ſie zur Mittagszeit zu treffen, aber es gelang ihr nicht.
So kam der Sonntag und ſie begab ſich mit den Uebrigen in den Gottesdienſt.
Die Kirche iſt ein ſehr geräumiger Saal mit doppel⸗ ten Bankreihen und einem eiſenfarbig angeſtrichenen Chor.


