Teil eines Werkes 
5. bis 7. Bändchen (1852)
Entstehung
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Als charakteriſtiſche Anekdote von Gefallſucht im nördlichen Correktionshaus mag hier folgende Epiſode einfließen, obſchon ſie eigentlich unſere Erzählung nichts angeht.

gehen Mädchen von friſchem und ſehr anmuthigem Aeußeren, zum drittenmal wegen Diebſtahls verurtheilt, hatte, nachdem ſie ſich einige Zeit in der Anſtalt befun⸗ den, einer ihrer Kamerädinnen ein Leintuch geſtohlen und wurde deshalb zur Strafzelle verurtheilt.

„Du haſt Dir da ſchöne Weihnachten bereitet,“ ſagte der Zuchthausdirektor,„wenn man nicht Gnade für Recht ergehen laſſen will.“

Das Mädchen ſchwieg, brach aber in Thränen aus.

„Du haſt oft geſtohlen,“ bemerkte er.

Sie antwortete nicht, ſondern weinte blos.

„Aber wie kommt, es daß Du ſo ganz den Verſtand verloren haſt? Du ſiehſt doch, daß Du nothwendig ent⸗ deckt werden mußt, und Du kaunſt Deine ſchon jetzt harte Lage dadurch uur verſchlimmern.“ 4

Sie beharrte auf ihrem Schweigen, während ihre Thränen floſſen.

„Du mußt doch wohl auf irgend eine Art bei Dir ſelbſt die Sache überlegen, ehe Du Dich entſchließſt, zu ſtehlen. Sei aufrichtig!“

Böſe Gedanken,“ antwortete ſie jetzt,„erwachen in mir.“

„Aber ſahſt Du denn nicht, daß Du entdeckt werden mußteſt, als Du das Leintuch ſtahlſt, zumal da Du es einer Kamerädin nahmſt und ihrer Aufmerkſamkeit nicht entgehen konnteſt?“

„Ach ja, ich ſah es wohl ein.“

„Und dennoch... aber was wollteſt Du denn mit dem Leintuch machen?“

„Ich wünſchte...“

„Was wünſchteſt Du?“

„Ein Schnürleibchen.“