Teil eines Werkes 
5. bis 7. Bändchen (1852)
Entstehung
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kam, war es ihr unmöglich, den Seufzer zu erſticken, der ſich aus ihrer Bruſt hervordrängte.

Auch ſie war ein Findelkind geweſen.

Durch das große Thor des Correktionshauſes herein⸗ gekommen, wurde ſie in vierzehntägige Quarantainezelle geſetzt, eine Einrichtung, der ſich jeder Gefangene unter⸗ werfen muß. Sie hatte ſich dieſen Zeitverluſt nicht be⸗

rechnet, und er kam ihr daher um ſo härter vor. In⸗

zwiſchen wurde ſie mild behandelt und zählte jeden Tag, der kam, bis ſie endlich jede Stunde und zuletzt auch jede Minute zählen konnte.

Als man ihr ihre eigenen Kleider abnahm und das

weiße Leinwandkleid anlegte, das alle weibliche Gefan⸗ genen bekommen, da war es ihr, als hätte ſie ihr Leichen⸗ kleid angezogen, und ein kalter Anhauch machte gleich einem Todesgedanken ihr Blut auf einen Augenblick u Eis. 1 Das Bedürfniß, zu gefallen, iſt ein natürlicher und angeborener Inſtinkt des Weibes. Ohne dieſes Bedürf⸗ niß würde ihr einer der ſchönſten Reize der Weiblichkeit fehlen, denn der Wunſch, zu gefallen, iſt die nie verſie⸗ gende Quelle der Liebenswürdigkeit, wodurch ſie ſo be⸗ zaubernd wird.

Es dürfte vielleicht Manchen etwas fabelhaft vor⸗ kommen, daß man von Gefallſucht ſpricht, wenn man ſich auf einem Beſuch im Correktionshaus befindet, aber in dieſem wie in andern Fällen hört die Strafgefangene nicht auf, eine Tochter Evas zu ſein.

Vierzehn Tage lang war Agnes auch nur mit ihrem Aufputz beſchäftigt. Sie veränderte ihre weiße Jacke, ſo daß ſie ihr wie angegoſſen ſaß; ſie kämmte ihr langes braunes Haar und legte ihr weißes Kopftüchlein in tau⸗ ſend neue Falten.