Teil eines Werkes 
5. bis 7. Bändchen (1852)
Entstehung
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gen ſtrahlte der Himmel noch klarer, als er ſich vorge⸗ ſtellt, noch reiner, als er zu träumen gewagt, und die Lippen lagen bei einander wie zwei halb ſchlummernde Roſen, welche der Weſtwind kaum mit einem Kuß zum Leben zu erwecken ſich entſchließen könnte. Er hatte ihre Figur geſehen, bevor er ihr Geſicht ſehen konnte: er hatte alſo das Piedeſtal ohne die Büſte, den Tempel ohne den Altar, die Erde ohne die Sonne geſehen; jetzt ſah er auch die letztere und dieſe verklärte ſie: Leben, Geſund⸗ heit, Friſche und naive ſchalkhafte Freude ſtrahlte ihm entgegen.

Sobald ſie am Fenſterpfeiler die Schnur feſtgemacht hatte, trat ſie ans Fenſter und warf einen Blick hinaus. Er traf den Blick Pauls. Auch ſie hatte, wie alle andern, an den vorhergehenden Tagen nur den weißköpfigen Brauner am Fenſter gegenuͤber geſehen, und zu ihrer Ueberraſchung ſah ſie jetzt einen Mann mit friſcher, ju⸗ gendlicher und anmuthsvoller Miene.

Paul konnte ſeinen Blick nicht von ihr abwenden. Sie ſchien ſich ebenſowenig von ihrer Verwunderung er⸗ holen zu können.

Inzwiſchen ſtieg gleichwohl auf einmal die Röthe in beider Wangen. Waren es wohl ihre Herzen, die auf ſolche Art telegraphirten, daß ſie von den gegenſeiti⸗ gen Blicken getroffen wurden? Ein Lächeln gleich einem Sonnenſtrahi flog über die Lippen der Dame, und daſ⸗ ſelbe Lächeln ſchien ſich auch ihm mitzutheilen. Spiegelte ſich auf dieſe Art irgend ein fröhlicher Gedanke ihrer Seelen wieder? Schnell zog ſie ſich indeß zurück, gleich als wäre ſie vor ihm oder auch vor ſich ſelbſt erſchrocken.

Aber Paul verließ das Fenſter nicht. Er ſchloß ſtatt deſſen ſeine Augenwimpern, um in ſich ſelbſt ihr Bild wieder hervorzurufen, und er fand es gleich ſchön und rein in ſeinem Herzen wieder.

Eine Weile verging, während er auf ſolche Art ſeine