21 und man übrigens noch nicht recht weiß, in welchem Grad man ihnen eine Schuld beimeſſen kann.“
„Man weiß doch, daß ein Mord begangen wurde.“
„Zugegeben, aber die näheren Umſtände dabei ſind ja noch ins tiefſte Dunkel gehüllt.“
„Man weiß gleichwohl, daß... daß...“
„Daß Dein einer Onkel, der jüngſte von den drei alten Gebrüdern Kellner, des Verbrechens augeklagt wor⸗ den iſt... ganz richtig; inzwiſchen aber kann er nicht überwieſen werden.“ 4
„Mag ſein, aber nach Gottes Rathſchluß muß er, wenn er noch lebt und wirklich unſchuldig iſt, ſein Leben unter der Laſt des entſetzlichen Argwohns wegen einer begangenen Blutſchuld dahinſchleppen.“
Paul ging im Zimmer auf und ab.
„Im Uebrigen...“ ſagte er dann...„iſt ſoviel klar, daß eine kühne Frauenzimmerintrigue gleich einer Schmarotzerpflanze ſich hier um den Mord flicht, wie um einen blutigen Stamm. Und wenn auch mein Vater das Stillſchweigen gar zu ſpät gebrochen und mir deßhalb den Sachverhalt nur unvollſtändig mitgetheilt hat, ſo weiß ich doch genng, um einzuſehen, daß die Kataſtrophe mehr als ein einziges Verbrechen verbirgt.“
„Du haſt Recht, ja, ja.“
„Verrathene eheliche Treue.“
Ha!“
„Hel.
„Betrogene Freundſchaft und Verwandtſchaft.“ „Und... und...“
„Ich verſtehe, unſre Gedanken begegnen ſich; und
dieſe zarte und unſchuldige, durch verbrecheriſche Nei⸗
gungen ſo zu ſagen in die Welt geſchmuggelte und ſchon in ihrer Geburtsſtunde verlaſſene und verſtoßene Kinder, die Erzeugniſſe einer rohen ſinnlichen Liebe, was hat man aus ihnen gemacht, was iſt aus ihnen geworden?“
„Entſetzliche Fragen! Du haſt einen wichtigen und großen Auftrag erhalten, Paul, als Dein Vater Dir die


