Ja, das heißt, ſie war ſehr berechnend und geizig, ſo daß der Geiz bei ihr noch größer war, als der Verſtand.“
„Sie dienten bei ihr; lebt ſie noch?“
„Nein, gnädiger Herr, ſie iſt ſchon vor vielen Jah⸗ ren geſtorben. Ich diente drei, ja beinah vier Jahre bei ihr, bis der Tod ſie wegraffte.“
„Schon gut... fahren Sie fort, fahren Sie fort.“
„So lange ſie lebte, ſetzte ſie ebenſoviel Vertrauen in mich, als das Publikum in ſie ſetzte, weil ich ſie ebenſo gut bediente, als ſie das Publikum bediente. Sie war eine verdammt brave Frau, das muß ich ſagen. Eines Tags kam ein Herr, ein fein gekleideter Herr, und fragte nach ihr, und obſchon ſie mir immer alle ihre Sachen erzählte, ſo weiß ich nicht, wie es dießmal kam, aber ich ſtellte mich hin und lauſchte am Schlüſ⸗ ſelloch.“
„Sie können ſich nicht mehr erinnern, wie der Herr ausſah... wie er gekleidet war... zu welcher Klaſſe er zu gehören ſchien?“
„Das kann ich nicht genau ſagen... aber er war verdammt ſchön aufgeputzt... und er ſah ganz gut aus.“
„Möglicherweiſe,“ bemerkte Frank gegen den Pfar⸗ rer,„könnte es irgend ein Bote von der Tante geweſen ſein. Vielleicht... aber laſſen Sie uns weiter hören.“
Ein verworrenes Gepolter und Getöſe vom obern Stock her drang wieder zu ihnen, und die Alte ver⸗ ſtummte eine Weile, fuhr jedoch bald wieder fort.
„Da ich das Ohr ans Schlüſſelloch hielt, ſo hörte ich alles, was drinnen geſprochen wurde. Der Herr er⸗ zählte, eine ſeiner Bekannten, ein vornehmes, junges Fraueuzimmer, ſei unglücklich geworden und bedürfe ihrer Hülfe; aber er könne und wolle ihren Namen ebenſo wenig entdecken, als ſeinen eigenen, und fordere ſie da⸗ her, wenn ſie die Sache übernehmen wolle, zu einer eid⸗ lichen Verpflichtung auf, daß ſie dieſelbe, wie auch den


