Teil eines Werkes 
1. bis 4. Bändchen (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

240

Und dennoch hat ſie nichts gethan, als gewinſelt und geheult, ſeit ſie hier iſt.

Branntwein und Punſch fehlen ihr.

Frau Buchholz bat ſie von der Straße aufgehoben und wird jetzt mit Undank belohnt. Der Waldhah nen⸗ fuß iſt ein ſcheinheiliges, herzloſes Mädchen, und man ſollte ibr noch mehr Prügel geben.

Und auch mehr zu trinken. 3 Wenn ſie unr ſelbſt wollte, ſo könnte ſie es ſo an⸗ genehm haben, wie wir, denn ſie ſieht nicht übel aus... und man würde ihr gewiß auch ordentlich den Hof machen.

Es fehlt ihr der Verſtand.

Und das Herz ebenfalls.

Es wird nie etwas Tüchtiges aus ihr.

‚Ja, das iſt wahr, wenn ſie nur einmal zuerſt trin⸗ een lernte.

Jedes neue Wort war ein neuer Pfeil, der die edelſten Gefühle des armen Mädchens verletzte. Sie verbarg ihr Geſicht in ihren Händen und lehnte in ihrem Verſteckwinkel ihre Stirne an die kalte Wand, aber die Verunglimpfungen verfolgten ſie noch immer. Möge man dem ſchwachen und wehrloſen Geſchöpfe verzeihen, wenn ſie in dieſem Augenblick ſich fragte, ob es einen Gott gebe, der die Tugend auf Erden beſchütze.

Man reichte ihr ein Glas Punſch und Branntwein.

Trink, Waldhahnenfuß, ſo wirſt Du ſehen, wie an⸗ genehm die Welt iſt.

Trink, ſo wirſt Du Luſt bekommen, mit uns zu tanzen.

Trink, und mache Dein Leben nicht noch erbärm⸗ licher, als es ohnehin iſt.

Trink, trink, trink.

Der Waldhahnenfuß erhob endlich das Haupt. Ihre Augen ſtarrten unbeweglich umher. Ihre Lippen zitter⸗