230
einen Seite von ihnen geöffnet, und ein altes Weib ſteckte den Kopf heraus und fragte, was los ſei.
Frank erkannte ſogleich die Mutter Jonſſon und ſagte, daß er jetzt komme, um zu hören, was für Nach⸗ richten ſie mitzutheilen habe. Die Alte bat ihn herein⸗ zutreten, erſchrack aber nicht wenig, als ſie den Paſtor der Gemeinde an ſeiner Seite ſah.
Ci du himmliſcher Vater,“ rief ſie,„der würdige Herr Pfarrer ſelbſt! Ach du ewiger Gott, ich hätte nie an einen ſolchen Beſuch geglaubt. Das iſt es, was im Pſalm ſteht: der Engel des Herrn lagert ſich um die⸗ jenigen, ſo ihn fürchten. Ich fürchte ihn, ich, und ich zittere wahrhaftig an allen Gliedern vor Furcht, wenn ich an ihn denke, und ſo ſendet er ſeinen Engel hierher, o mein Gott!...
Mutter Jonſſon befand ſich in einem vorgeſchrittenen Alter. Eine gewöhnliche Nachthaube bedeckte als Ne⸗ gligé ihren Kopf und verbarg das nunmehr ganz weiß gewordene Haar. Das Geſicht war runzlig, aber der
Blick noch lebhaft und argliſtig. Ihre Kleidung war
übrigens ganz einfach und beſtand aus einer kurzen Jacke, unter welcher ein geſtreiftes, dunkles, banmwollenes Kleid zum Vorſchein kam.
Das Zimmer war klein, aber recht hübſch: die Mö⸗ bel beſtanden aus einem roth angeſtrichenen Sofa, einigen
Stühlen und einem Tiſch. Auf dem Tiſch lag ein altes
in Leder gebundenes Andachtsbuch, ſchon vor etlichen Jahrhunderten gedruckt. Das Titelblatt war herausge⸗ riſſen, der Einband und die Blätter durch vielfachen Ge⸗ brauch beſchmutzt, ſonſt aber war der Text noch in gutem Zuſtand. 3.
„Ach gnädiger, geliebter Herr Pfarrer,“ fuhr die Alte fort,„Sie ſehen mich ſo ſtreng und ernſthaft an, aber meine Angſt iſt eine wahre, und ich zittere aus Andacht vor Gott und dem Diener ſeines Wortes, und das iſt das deutlichſte Zeichen eines chriſtlichen Gemüths.
—,...


