Neuntes Kapitel. Der Waldhahnenfuß.
Das Volk wimmelte nach beendigter Tagesarbeit anf den Straßen hin und her, die meiſten, um nach Hauſe zurückzukehren. Es war um diejenige Zeit des Abends, wo die vornehme Welt und die Manſellen in gewiſſen verdächtigen Gäßchen ihre Toiletten zu machen beginnen, erſtere um die Societät zu beſuchen, die letz⸗ teren um auf den Straßen herumzuſtreifen; mit einem Wort, es war Dämmerung.
Zwei Perſonen in Paletots gingen langſam die Kauf⸗ mannsſtraße hinauf nach dem ſogenannten Brandplatz. Dort angekommen, ſchlugen ſie ſich links nach der Oeſter⸗ landſtraße und wandelten auf derſelben vorwärts, bis
auf die Schifferkarlsgaſſe, wo ſie im Dunkel verſchwanden. „Dieſe Gaſſen ſind für mich etwas Entſetzliches,“
ſagte der Eine.„Sie beläſtigen mein Gewiſſen, ſie quä⸗ len meine Gedanken, und gleichwohl... wie ſoll man abhelfen? Das Verbrechen und Laſter haben ſich hier mit einer Zähigkeit und Hartnäckigkeit feſtgewurzelt, die allen Bemühungen Trotz bietet. In Folge meines Be⸗ rufs habe ich doch auch hier die Worte der Religion er⸗
tönen laſſen, aber vergebens. Sie ſind zum einen Ohr hinein und zum andern heraus gegangen. Man hat ge⸗
weint und gebetet, um im nächſten Augenblick von Neuem zu ſündigen.“
„Aber die Polizei,“ fiel der Andere ein,„ſollte wohl dieſe Kloake reinigen können. Es fehlt ihr wenigſtens nicht an Mitteln. um kräftig aufzutreten.“
„Darüber ließe ſich viel ſagen, und obſchon es mich hart ankommt, der Polizei einen Platz neben der Kirche


