220
Theodor befand ſich auf Reiſen und meine Eltern hatten alſo nichts dagegen, daß ich den kleinen Holm wieder zu beſuchen anfing. Aber ich ſang nicht mehr dort, ich ſchwatzte nicht mehr kindiſch mit den Blumen, dagegen ſeufzte ich und vergoß manche bittere Thräne.
„Ich war jetzt ernſthafter, als früher, und man ſagte mir, das ſtehe mir gut, ich ſei herangereift, ich ſei jetzt ſeelenvoller und reizender als je.—
„Meine Eltern ſprachen nicht mehr von meinem ehe⸗ maligen Freier. Das war doch wenigſtens eine Freude in meinem Schmerz.
„Während meines Beſuchs auf dem Inſelchen, wo ich Gelegenheit hatte, in Frieden und Ruhe meine Ge⸗ danken zu ſammeln, beſchloß ich, an Theodor zu ſchreiben, der ſich damals in Italien aufhielt, und ihm alles zu erzählen, was vorgefallen war.
„Als er meinen Brief erhielt, beſchloß er, ſogleich in’s Vaterland zurückzukehren und ſchrieb ſeinem Vater davon; aber ſein Vater ſcheint noch Gründe gehabt zu haben, ſeine Neigung für mich zu fürchten, und es gelang ihm, eine Ordre von der Regierung zu erwirken, kraft welcher Theodor dem ſchwediſchen Miniſter in Paris als Attaché beigegeben wurde. Dieſe Anſtellung wurde als eine Auszeichnung angeſehen, und obſchon er ſie ſicherlich gerne abgelehnt hätte, ſo wurde er doch durch ſeinen Begriff von militäriſchem Gehorſam daran verhindert.
„Ohne mich bloszuſtellen, beauftragte er gleichwohl einen bekannten Geſchäftsmann in Stockholm, das Kind auszumitteln, deſſen Vater er war. Der Geſchäftsmann übernahm es und meldete Theodor bald, daß ſeine Be⸗ mühungen geglückt ſeien. Zugleich verlangte er Geld, um gewiſſe nothwendige Veränderungen vorzunehmen. An Geld ſehlte es auch nicht und die Sache ſchien auf ſo guten Füßen zu ſtehen, als dies unter den obwalten⸗ den Umſtänden möglich war.
„Theodor blieb inzwiſchen in der Fremde und unſere
N


