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brechens. Daraus ſchöpften alle meine Leiden neues Leben; ich verwuchs mit demſelben, als wäre es die Wurzel meines ganzen Daſeins. Ich vergaß meine früheren Jahre, all meine ehemaligen Zukunftshoffnungen, und lebte nur in der Erinnerung an eine einzige That. Ueberall ſtieß ich in meinen Gedanken anf ſie und wurde von ihnen unaufhörlich zurückgeführt. Die Welt war für mich bis zu dieſem einzigen Punkt eingeſchrumpft.
„Das Verhältniß zwiſchen meiner Tante und mir wurde dadurch natürlich nicht beſſer. Je kälter und ver⸗ ſchloſſener ich wurde, um ſo mehr wurde auch ſie es. Meine Stimmung war ungleich; wenn ich nicht verzwei⸗ ſelte, ſo weinte oder lachte ich, ohne daß jemand die Ur⸗ ſache einſehen konnte. Ich war nahe daran, wahnſinnig zu werden.
„Meine Tante ſchrieb meinen Eltern, und ſie melde⸗ ten mir, daß ſie in die Stadt kommen würden.
„Beim Gedanken, mit ihnen zuſammenzutreffen, war ich meiner nicht mehr mächtig. Am Abend vor ihrer Ankunft, ach, ich erinnere mich deſſen ſo gut, war ich nahe daran, einen entſetzlichen Entſchluß zu faſſen.
„Ich war allein... ich ſtand an meinem Feuerr
ich öffnete es und blickte über die hohe Mauer hinab. Es war ſo ſtill um mich her, die Nacht war ſo dunkel, kein Laut ſtörte meinen Schmerz, ich ſtand auf einem Stuhl, ich ſah mich rings um, der Tod war ſo verlockend. Wie viel glücklicher erſchien es mir im Grab unter dem Raſen zu liegen, als im Grab über demſelben umher zu wandeln! Noch ein Augenblick und es wäre ans ge⸗ weſen... aber in dieſem Augenblick empfand ich eine
ewegung unter meinem Herzen und ich fuhr mit einem Angſtſchrei zurück.
„Ich hatte von Gott ein Zeichen erhalten, daß ich verpflichtet ſei, leben zu bleiben: ich fühlte, daß ich Mut⸗ ter werden ſollte. Auf mein Knie gebeugt, betete ich jetzt an demſelben Fenſter, ans welchem ich mich einen


