12
ertragen, Dich zu hören... Deine Stimme tönt wie eine Nachtwächterraſſel.. 4
„Das Gewiſſen iſt eine ſolche Nachtwächterraſſel; es weckt die Schlafenden, weckt ſie mitten in der Nacht,“ fuhr der Alte fort, als bemerkte er die Gefahr nicht, die ihn aus den flammenden Augen des Löwen bedrohte.
Weder der unvermuthete, beinahe hinterliſtige An⸗ griff des Fuchſes, noch der boshafte, heimtückiſche Anfall des Stieres hatten den Zorn des Löwen zu wecken vermocht, aber die Worte des Alten thaten es.
Mit einer Schnelligkeit, die ſich nur mit der eines gereizten, wilden Thieres vergleichen ließ, warf er ſich jetzt über den Alten, ohne daß dieſer ſich die Mühe nahm, eine Hand zu ſeiner Vertheidigung auszuſtrecken.
Der Alte war ein hochgewachſener Mann, als er ſich ſeiner ganzen Länge nach erhob.
Aber mit einer kühnen, und von der wilden Gluth des Aergers eutflammten Miene hatte der Löwe ihn mit der rechten Hand an dem Rock gefaßt, der ſeinen Leib umſchloß, und hob ihn auf ſolche Art vom Boden empor hoch in die Luft hinaus, während er, hingeriſſen von augenblicklicher Wuth, ihn ſchüttelte und ſich geberdete, als wollte er ihn zermalmend von ſich ſchleudern.
Die Scene war wirklich unheimlich.
Der Fuchs hatte ſich aufgerichtet, ſaß aber noch, betäubt von der Kraft, womit er niedergeworfen worden, auf dem Boden. Der Stier krümmte ſich in ſeinem Blute, ohne zu wiſſen, was um ihn her vorging. Der Löwe ſchüttelte den Alten, der gleichwohl unerſchütterlich ruhig liehr obſchon eine augenſcheinliche Todesgefahr ihn be⸗ drohte.
„Bravo, verdammt brav!“ riefen die Neueingetre⸗ tenen im Chor. ⸗Knicke ihn. Wir bedürfen eines ſolchen Hofmeiſters nicht... Schlag zu!“.
Der Zorn des Löwen wurde durch den Beifall an⸗ gefeuert.


