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Jugend uberlaſſen, unter den Unanſtaͤndigkeiten und Gottloſigkeiten der franzoͤſiſchen Philoſophie ſich, ſo gut ſie konnte, ihre Bildung zuſammenzuſuchen, doch obgleich ihre Memoiren empörende Beiſpiele von Un⸗ zartheit und uͤbertriebenen politiſchen Anſichten dar⸗ bieten, ſo kann doch nicht gelaͤugnet werden, daß ihr ganzes Leben unſchuldig und tugendhaft, und ihre Geſinnungen rein waren, wenn ſie ihnen den natuͤr⸗ lichen Gang ließ. Sie ſah die Frage in ihrer wah⸗ ren und wirklichen Bedeutung; ſie ſah, daß die Gi⸗ rondiſten nur dadurch, daß ſie ſich zwiſchen den geſetz⸗ gebenden Koͤrper Frankreichs und die Begehung eines großen Verbrechens ſtellten, in der Regierung ſich halten und das Zutrauen der ehrlichen Leute jeder
Farbe ſich erwerben koͤnnten, oder aber kaum die ge⸗
ringſte Hoffnung haͤtten, der Anarchie, die ihr Va⸗ terland verſchlang, ein Ziel zu ſetzen.„Rettet das Leben Ludwigs“, ſagte ſie;„rettet ihn durch eine of⸗ fene, gerade Vertheidigung; dieß iſt die einzige Maß⸗ regel, die eure Sicherheit verbuͤrgen, der einzige Weg, der eurer Regierung das Gepraͤge der oͤffentlichen Tugend aufdrucken kann.“ Die, welche ſie an edete, horchten mit Bewunderung; aber gleich einem Men⸗ ſchen, der raſch eine Hoͤhe erklommen hat, wo ihm ſchwindelt, fuͤhlten ſie ihre Stellung noch zu ſchwan⸗ kend, als daß ſie erlaubte, einem Andern, der ſich in noch drohenderer Gefahr befand, wüli die Hand zur Unte rſtuͤtzung zu reichen.


