23 zeichnet durch ſeine Sittenloſigkeit als durch ſeine wun⸗ derbaren Talente; wenn der Koͤnig ſich ihm anver⸗ traute: ſo war dies ein Wagniß, aͤhnlich demjenigen des Prinzen in dem Maͤhrchen, der, von einer wü⸗ ſten Inſel entflohen, ſich zwiſchen gefaͤhrlichen Klip⸗ pen auf einem Kahn herumtrieb, auf welchem eine halb menſchen⸗ halb tiegeraͤhnliche Geſtalt das Ruder fuͤhr⸗ te.*) Aber eine ploͤtzliche unerwartete Krankheit und der Tod Mirabeaus, der als ein Opfer ſeiner Aus⸗ weiſnten 8 verhinderte die Ausfuͤhrung. Sein⸗ Tod ward ſehr bedauert, obgleich es ſehr wahrſcheinlich iſt, daß wenn der Apoſtel der Revolution noch laͤnger gelebt haͤtte, er entweder ihren Fortgang gehemmt,
oder ſeine zerſchnittenen Glieder die Picken der Menge
geziert haben wuͤrden, die ihn jetzt mit geſenkten Waf⸗
*) Die Geſichtszüge und die ganze Geſtalt Mirabeau's trugen⸗ das Gepräge ſeines Karakters. Er war unterſetzt, ſtar k ge baut und hatte den Nacken eines Stiers. Eine Menge dicker verworrener Haare beſchatteten Züge, welche einen derben und überſpannten Karakter andeuten. Dabei war er blat⸗ ternarbigt und mit Sommerſproſſen bedeckt.„Stelten Sie ſich“ ſagte er einſt, als er einer Dame, die ihn nicht kannt⸗ ſeine eigene Geſtalt beſchreiben wollte,„einen Tieger vor, der die Blattern gehabt hat.““ Wenn er davon ſprach, wie
ſeine Gegner in der Verſammlung augreifen wollte, ſo
*½ er: Ich will ihnen La Hure zeigen,“ das iſt der Kopf
eines wilden Ebers. Er meinte damit ſeine verzerrten und iſtern Geſichtszüge.


