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feierlich angenommene Erklaͤrung, der Unverleßzlichkeit des Eigenthums, auſſer bei voller Verguͤtung. Wenig nuͤtzte es, daß man den Mirabeau an ſeine Rede er⸗ innerte, welche er bei einer aͤhnlichen Gelegenheit an den Kaiſer Joſeph gehalten hatte.—„Verachten Sie die Moͤnche, ſagte er damals,„ſo viel Sie wollen, aber berauben Sie ſie nicht. Der Raub iſt ein gleichgroßes Verbrechen, er ſei an dem ausſchweifendſten Atheiſten otteslaͤugner oder an dem biaotteſten Kapuziner t.“ Mit hoͤhnendem Ernſte ſagte man der Geiſt⸗ 1 daß ein Eigenthum,— welches einer Koͤrper⸗ ſchaft gehöre, ganz anders zu betrachten ſei, als dus eines Einzelnen, weil der Staat die Koͤrperſchaft auf⸗ loͤſen und das ihr gehoͤrige Eigenthum an ſich ziehen könne. Mit dieſen Scheingruͤnden maßten ſie ſich fuͤr den oͤffentlichen Schatz alles Eigenthum an, das die franzoͤſiſche Kiuche beſaß.
Da es unmoͤglich war, dieſe ungeheure Menge von Gegenſtaͤnden auf einmal zum Verkauf zu bringen; ſo ſchuf die Verſammlung eine Art Papiergeld, Aſſig⸗ naten genannt, welche auf die Kirchenguͤter verſichert oder verhypothecirt waren. Der Umlauf dieſes Pa⸗ piers, welches gegen Neckers ernſte Warnung ange⸗ nommen wurde, brachte einen Geiſt des Schwindels und Spiels hervor, aͤhnlich dem des beruͤhmten Plans der Miſſiſippigeſellſchaft. Wer an Vorurtheilen hing, haͤtte wohl denken koͤnnen, daß der Anſtrich der Kir⸗ chenentweihung mit Obligationen verbunden ſeie, welche auf den Raub der Kirche ausgeſtellt waren; doch muß man geſtehen, daß dieſe Huͤlfsquellen die Natio⸗ nalverſammlung in den Stand ſetzte, nicht allein dem Abgrunde des Nationalbankerottes zu entgehen, ſondern auch viele Grundſteuer nachzulaſſen, welche die niedri⸗
eeren Staͤnde hart druͤckten, und ſo dem nuͤtzlichſten Theil der Gemeinſchaft einigen Nachlaß zu gewaͤhren. Jedoch entſprang dieſer wuͤnſchenswerthe Erfolg aus jene goͤrtlichen Goldmacherkunſt, die aus Boͤſen Gutes


