119 iſt genau dem andern aͤhnlich, und von den zahlloſen Sternen des Himmels ſtrahlt jeder mit anderem Lichte. Was ſind aber dieſe phyſiſchen Verſchiedenheiten im Vergleich mit dem endloſen Waſel, welchen der menſch⸗ liche Karakter darbietet, mit ſeinen mannichfaltigen Leidenſchaften, Einfluͤſſen und Vorurtheilen, die ſo kuͤnſtlich verflochten ſind, in ſo verſchiedenen Verhaͤlt⸗ niſſen, daß wahrſcheinlich ſeit Adams Zeiten bis auf die unſrigen keine vollkommene Aehnlichkeit zwiſchen zweien Individuen anzutreffen war? Und gleichſam als waͤre das noch nicht genug, kommt der Verſchiedenheit hier noch der Einfluß des Klimas, der Regierung, der Erziehung, der Lebensweiſe zu Huͤlfe, welche ſaͤmmt⸗ lich auf eine unendliche Verſchiedenheit der Individuen hinarbeiten. So wie die Geſellſchaft an Civiliſation zunimmt, vermehren ſich die Ungleichheiten, welche aus dem natuͤrlichen Unterſchiede der Talente und der Anlagen entſtehen, bis uͤber alle Berechnung hinaus. Wohl mag ſich der Wilde einer rohen Art von Gleichheit in irgend einem patriarchaliſchen Stamme ruͤhmen, aber der Gewandteſte und Staͤrkſte, der beſte Jaͤger, der tapferſte Krieger wird bald die Andern be⸗ herrſchen und ein Koͤnig oder ein Oberhaupt werden. Durch gluͤckliche Anlagen oder Umſtaͤnde erhebt ſich ein Theil, der Nation bis zum Gipfel, waͤhrend ein an⸗ derer wie Hefen zu Boden ſinkt; ein dritter Theil nimmt die mittlere Stelle zwiſchen ihnen ein. Im glei⸗ chen Schritt mit der Geſellſchaft bildet ſich die Ver⸗
Teil eines Werkes
26. Band, Leben von Napoleon Buonaparte, Kaiser von Frankreich : mit einer Übersicht der französischen Revolution : 2. Theil (1827) The life of Napoleon Buonaparte, emperor of the French
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


