Teil eines Werkes 
3. Band (1851)
Entstehung
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330 Georg Volker. 6

beſtanden, nachdem ihnen längſt der Todeskuß des Lebens blühende Farbe abgeſtreift hatte.

Sie weinte nicht, ſie klagte nicht; ja es ſchien faſt, als hätte ſie mit der ſichern Gewißheit von Georg's Tode auch ihr ganzes ſicheres Weſen wie⸗ dergefunden, könne nun erſt wieder die Welt verſte⸗ hen und ihr Herz befreien von den Täuſchungen und dunklen Gewalten, denen es ſo lange erlegen war. Vielleicht war es eben die Größe ihres Schmerzes, der ſo ganz ihre Seele ausfüllte, daß dieſe feſt und ſtark blieb bei einer Gewißheit, von der man noch jüngſt für ihr zartes Leben das Aeußerſte befürchtet hatte; vielleicht aber war es auch neben dem großen Schmerz der bereits überwundene Schmerz, was ihr die Kraft verlieh, in einem Gefühl das Schreck⸗ lichſte zu erleiden und zu tragen.

Ihr hättet mir das gleich ſagen ſollen, war Alles, was ſie den treuen Lilien erwiederte, als dieſe ſtau⸗ nend und erſchreckt zugleich von ſo viel Ruhe und Feſtigkeit ſich beeilten, mit ihren längſt vorbereiteten Tröſtungen, ihren frommen Gebeten und Pſalterſprü⸗ chen das geliebte Kind zum ſtandhaften Ausharren zu ermuthigen und das ſo ſchwer Getroffene mit ſanften

Armen aufzurichten. Aber Annli blieb auch ſo ſtark

und aufrecht, ja, ihre Geſtalt ſchien höher, ihr Gang,