Teil eines Werkes 
3. Band (1851)
Entstehung
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Georg Volker. 331

ihre Haltung ſicherer als zuvor, und in ihren Zügen lag etwas ſo tief Heiliges und Geweihtes, daß ſelbſt das Troſtwort der Religion ſcheu auf der Lippe ver⸗ ſtummte und die ſanfte Freundeshand, ſtatt zu helfen und zu ſtützen, unwillkürlich ſich faltete bei ſo viel hehrem Muthe, bei ſo viel bewundernswerther Stärke.

Schweigend wandelte ſie den ganzen Morgen über durch's Haus, ging in den Garten, wo noch die ſpäten Aſtern blühten und ſaß dort wohl eine Stunde in der Laube von wildem Wein, deſſen Blätter be⸗ reits alle braunroth gefärbt waren. Mittags ging ſie dann hinauf in ihre Stube, wo ſie ſich einſchloß und erſt am Nachmittag wieder im weißen ſchlich⸗ ten Kleide, wie ſie es wohl mitunter im Sommer zu tragen pflegte, unten erſchien.

Durch die Hinterthür des ſtillen Hauſes ging ſie dann unbeachtet längs dem Bache hin, der an den Dorfgärten vorüberfloß, grüßte freundlich die alte Bauersfrau, welche am Stege Futterkräuter wuſch und ſie beſorgt fragte, wo ſie in dem leichten Som⸗ merkleid bei ſo rauhem Herbſtwind hinwolle.

Sagt's Niemand, Mutter Anna, daß Ihr mich geſehen habt, erwiederte ſie haſtig.Ich gehe ins Pfarrhaus nach Burgdorf, wo ich den Nachmittag bleibe und Abends läßt mich dann der Herr Pfarrer