Teil eines Werkes 
3. Band (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

324 Georg Volker.

zen widerſtrahlte, der ewig klare Zauberſpiegel, in dem die Seele voll Liebe und Unſchuld ihrer geheim⸗ ſten Träume Erfüllung ſchaut und im leiſen Win⸗ deshauch, im Blumenwinken und Birkengeflüſter die reine Nähe ihres Gottes ahnt.

So wechſelten die einzelnen Erſcheinungen der Krankheit in kürzeren oder längeren Friſten; bald waren es die dunklen Viſionen eines geiſtumnachte⸗ ten Lebens, bald die lichten Prophetenblicke der hell⸗ ſehenden Seele, bald die gänzliche an Starrſucht gränzende Apathie der phyſiſchen Natur, worin ſich die Krankheit offenbarte, ohne daß ein Arzt ihre Ur⸗ ſache hätte auffinden, geſchweige denn durch die Mit⸗ tel ſeiner Kunſt das Uebel bannen können.

Erſt nach Wochen trat allmählig eine Beſſerung ein; der Geiſt gewann mehr und mehr larheit, das umnachtete Gemüth hellte ſich wi uf, die ſtürmiſchen Anfälle wurden immer ſeltener und in langſamen Kriſen ging Annli ihrer Geneſung entge⸗ gen. Der Sommer neigte ſich ſeinem Ende zu, als ſie ſich ſo weit erholt hatte, daß ſie ihr Lager ver⸗ laſſen und zu des Lebensheitern Gewohnheit zu⸗ rückkehren durfte.

Freilich war noch das Schwerſte für ſie zu be⸗

ſtehen, das Schrecklichſte zu fürchten, denn noch hatte