322 Georg Volker.
in Wahrheit ſagen, daß der Sturm auch Lilien knickt, wie er die ſtarke Eiche zerſplittert.
Paul's ſchreckliches Ende bildete den beſtändigen Jammerton in dieſem Hauſe des Leidens, der ſelbſt die Klage um den guten Vetter Peter erſtickte, welcher fern in der Schweiz das traurige Leben des ver⸗ bannten Flüchtlings führt und wohl nimmer wieder ſeiner Heimath Berge grüßt.
Und Annli?
Sie hat den herbſten Kelch geleert, denn ſie lebt, und ihr ſtarb doch der Bruder, der Bräutigam, ihr ſtarb eben Alles, und nur das eigne Herz wollte nicht brechen; nur in langſamem Vergehen ſollte es aus der Erde verödetem Raum ſcheiden. Lange Wochen war ſie krank an einem Leid, das kein Name nannte, kein Auge ergründete; oft lag ſie tagelang in einer dumpfen Betäubung da, und keine Regung verrieth, daß das ſchöne bleiche Bild noch einen Herzſchlag des Lebens empfinde; dann wieder ſchien es, als erwache ſie mit irren Sinnen zu einem Da⸗ ſein ohne Klarheit der Seele, ohne Empfindung des Geiſtes; ein unheimliches Feuer zuckte dann aus ih⸗ ren erloſchenen Blicken, ſie redete dunkle Worte des Wahnſinns, weinte ohne Schmerz, lachte ohne Freude, und nur die Blumen verſtand ſie noch, zumeiſt die


