294 Georg Volker.
gierde, wie ein ausländiſches Thier oder eine durch⸗ ziehende Seiltänzerbande; ja das Volk war ſogar hier und da den fremden Gäſten, trotz ihres unſau⸗ bern und verdächtigen Aeußern und ihrer wilden Le⸗ bensart, nicht abhold, da ſie Niemand ein Leids tha⸗ then und ſich äußerſt genügſam zeigten. Auch leiſte⸗ ten ſie dem Aberglauben bei den Bauern unter aller⸗ lei Geſtalten Vorſchub, prophezeiten nicht nur künf⸗ tige Dinge aus den Linien der Hand, ſondern kurir⸗ ten auch mit ihren Zauberformeln das kranke Vieh, oder verbannten durch ſonderbare, mit Kohle oder Kreide an den Stallthüren beſchriebene Figuren die dem Landmann ſchädlichen Thiere, als Ratten, Mäuſe, Iltiſſe u. ſ. w. von Haus und Hof. Freilich war gewöhnlich das Ende vom Lied, daß die Zigeuner auf irgend einem Diebſtahl, insbeſondere waren ſie den Hühnerhöfen und Speckkammern gefährlich, er⸗ tappt und mit Schlägen aus dem Dorfe gejagt wur⸗ den. Dann gab's ein großes Heulen und Wehkla⸗ gen unter den braunen Leuten, bis ſie der Bauern Herzen wieder gerührt hatten und nun freien Abzug und noch Geſchenke obendrein erhielten.
Und eine ſolche Zigeunerfamilie von ohngefähr zwanzig Köpfen ſehen wir am Morgen des Tages, deſſen Sonne dem unglücklichen Paul Werle zum


