Teil eines Werkes 
2. Band (1851)
Entstehung
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330 Georg Volker.

graute ihm vor dem unheimlichen Fluch der Zigeu⸗ ner, der, einem finſtern barbariſchen Jahrhundert an⸗ gehörend, noch heute über dem Haus der Grafen von Nellenburg zu walten ſchien. Aber ein Feind alles Aberglaubens, überwand er ſchnell dieſe Furcht; denn ſeinem ganzen Gefühl widerſtrebte die Geſchichte, die Annli ihm eben mitgetheilt hatte. Es war ihm

unerklärlich, wie ein Mädchen von ſo viel hellem

Verſtand und gebildeter Seele Jahrelang dieſem Zug einer dunklen Schwärmerei nachgehen und ſich in völliger Abgeſchiedenheit von der Welt an geheimniß⸗ voller Stätte gleichſam ein eignes Leben voll aben⸗ teuerlicher Gebilde und phantaſtiſcher Träume in das der Wirklichkeit hineindichten konnte, wohin kein Auge ihr folgte und das ſie ſo lange Zeit vor jeder Entdeckung zu hüten gewußt hatte.

Weil Georg die Fäden nicht ſah, die das zarte Seelenleben ſo innig an die dunklen Gewalten der Natur ketteten, darum erkannte er auch nicht das für Annli Heilige und Verhängnißvolle der Eulobe; er bedachte nicht, wie tief ein ſo mächtiger Eindruck der Kindheit, den die erſchütterndſten äußeren Ereigniſſe begleiten, ſich einem ſchwärmeriſchen Gemüth ver⸗ webt, und je länger, um ſo geheimnißvoller darin nachtönt und ſich ihm zuletzt zu einem Theil des