Georg Volker. 325
keine drei Schritte war ich von Dir entfernt, ſtand Dir Aug' in Auge gegenüber und Du, Du ſahſt mich doch nicht!“
„Wo warſt Du?“ fragte Georg.
Sie deutete auf die mit dem Epheu umkleidete Felſenwand und ſagte:
„Willſt Du mir nicht glauben, daß ich nicht fort war, ſo laſſ' es mich Dir beweiſen. Kehre Dich einen Augenblick nach Weſten, betrachte eine halbe Minute den Nellenburger Kirchthurm und dann ſieh zu, wo ich geblieben bin.“
Bei dieſen Worten drehte ſie ihn nach der ange⸗ deuteten Richtung um, trat dann ſchnell zurück, und als Georg nach ihr umblickte, war ſie abermals ver⸗ ſchwunden.
Raſch trat er an die Dornhecken, denn an ihm vorüber konnte ſie nicht gegangen ſein, ſie mußte alſo nothwendig ihr Verſteck in den Hecken haben; auch glaubte er ein Rauſchen in denſelben gehört zu haben. Er ſuchte nun mit der größten Aufmerkſam⸗ keit auf dem kleinen Platze umher; diesmal wollte und mußte er ſie finden. Aus ſeiner vorigen Angſt war nun ein Scherz geworden, und dennoch war er zuletzt abermals nahe daran, an eine Hexerei zu glauben. Aber wie er jetzt dicht vor dem Epheu


