322 Georg Volker.
wenigen Secunden auf der Spitze des Eulobenkopfs angelangt. Von dort ſprang ſie wieder ebenſo ſicher auf die nächſten Felſen herunter, als Georg ihr end⸗ lich nachkam, reichte ihm die Hand, und er dankte es wirklich ihrem Beiſtand, daß er endlich glücklich die Höhe erreichte.
„Mein Gott! Mein Gott! Annli, was ſind das für tolle Streiche!“ ſagte er tiefathmend.
„Sei nicht böſe, Georg, Du ſiehſt ja, es ging!“ erwiederte ſie und trocknete ihm ſchmeichelnd die heiße Stirn.„Blicke um Dich; iſt's nicht herrlich da oben? O! Wer hier noch nicht geweſen iſt, der weiß nichts von Gottes ſchöner Welt! Und hier“ — ſie nahm ihn an die Hand und führte ihn nach der Stelle, wo ſie den Lindenzweig gepflanzt hatte— „da ſchau' mein Reislein, Geliebter! Nicht unten im Wald ſoll es grünen und wachſen, hier oben, wo des Himmels friſche Lüfte wehen und die ſchöne Erde Einem wie ein Gottesantlitz in's Herz lacht, hier ſoll Deiner Annli Baum ſtehen; und wenn er groß iſt, und die kleine Waldlerche kehrt Abends ſangesmüde aus dämmerndem Gewölk zur Erde zu⸗ rück, da findet ſie gleich einen anmuthigen Ruheſitz auf der Linde und kann noch einmal von der Höhe ihr Lied über die Wälder hinausſingen, ehe ſie in


